Mein Interesse an der Thematik der Suffragetten wurde vor fast drei Jahren geweckt, als ich den Film Suffragette – Taten statt Worte im Kino sah. Der Film hat mir ausgesprochen gut gefallen und mich dazu animiert, im Anschluss ein wenig in diese Richtung zu recherchieren, denn tatsächlich hatte ich mich bis dato noch nicht eingehend mit dem Frauenwahlrecht bzw. den Frauenrechtlerinnen selbst auseinandergesetzt.

Ich habe ein wenig unsere Universitätsbibliothek durchforstet und schon bald bin ich auf Journal-Artikel und Essays gestoßen. Auch einige vielversprechende Buchempfehlungen wanderten auf meine Wunschliste. Insgesamt war ich zufrieden, dass mich der Film für diese Thematik sensibilisierte und hielt ab sofort die Augen noch neuem Input offen. Als ich zu Beginn des Jahres mich dazu entschloss, eine neue Kategorie auf meinem Blog einzuführen, in der ich explizit Literatur von und über starke Frauenfiguren und deren Lebensgeschichten berichte, bin ich über Die Suffragetten von Antonia Meiners gestolpert.

Sie wollten wählen und wurden ausgelacht

Zunächst einmal möchte ich darauf aufmerksam machen, wie unglaublich liebevoll und mit Blick für das Detail die Bücher aus dem Elisabeth Sandmann Verlag gestaltet sind. Jedes einzelne Buch ist ein Kunstwerk. Man merkt, wie viel Liebe in die Gestaltung der Bücher fließt und allein aus diesem Grund kann ich die Bücher jedem ans Herz legen. Außerdem haben mich die Bücher aus diesem Verlag – von denen übrigens auch viele bei Insel im Taschenbuch erscheinen – auch inhaltlich noch nie enttäuscht. Erst kürzlich habe ich Berühmte Kinderbuchautorinnen von Luise Berg-Ehlers vorgestellt und war begeistert.

Und auch bei Die Suffragetten ist dies nicht anders. Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken, die zahlreichen Illustrationen und Abbildungen machen Lust darauf, alles über das Frauenwahlrecht und seine Geschichte zu erfahren. Das finde ich wirklich sehr schön, denn so bleibt man das ganze Buch hindurch (und vielleicht auch darüber hinaus) daran interessiert, jede Information wie ein Schwamm aufzunehmen.

Außerdem hat die schöne Gestaltung den Effekt, dass ich das Gefühl habe, mehr als das geschriebene Wort, mehr als die Informationen im Text aus der Lektüre mitzunehmen. Ich weiß nicht, wie ich das treffend beschreiben soll, aber die typographisch abweichenden Randnotizen sind für mich wie kleine Merksätze oder die farblich anders unterlegten Seiten, die bei den Dokumente der einzelnen Suffragetten verwendet werden, lassen dieses Buch für mich zu etwas ganz Besonderem werden.

Geschichte des Frauenwahlrechts anhand einzelner Porträts

Die Vorgehensweise, den Verlauf des Frauenwahlrechts anhand verschiedener Portrtäts darzustellen, ist mir bereits aus anderen Werken aus dem Elisabeth Sandmann Verlag vertraut. So war schon Frauen, die ihre Träume leben und auch Berühmte Kinderbuchautorinnen in diesem Stil gehalten. Aber diese Methode scheint sich generell in diesem Bereich bewährt zu haben. Ich denke hier an die berühmten Good Night Stories for Rebel Girls oder auch an Power Women und all die anderen Bücher, die sich mit Frauenporträts beschäftigen. Das gefällt mir ausgesprochen gut, denn so begleitet man für einen kurzen Zeitraum eine Person durch einen Teil ihres Leben und wechselt dann mit einem nächsten Porträt in eine andere Perspektive. Das liefert einen echten Mehrwert.

Das Buch beginnt mit einem ausführlichen Vorwort, das die Forderungen und Ziele der Frauen herausarbeitet. Das anschließende Kapitel enthält einen historischen Abriss, der sich den Anfängen des Frauenwahlrechts widmet. Oft verbindet man mit dem Frauenwahlrecht nur die radikalen Frauenrechtlerinnen in Großbritannien, die Bekannteste ist hier wohl Emmeline Pankhurst, doch das wäre zu kurz gegriffen. Der Kampf für das Frauenwahlrecht beginnt nicht erst mit den Suffragetten, sondern schon im 18. Jahrhundert. Auch wenn die Suffragetten titelgebend für dieses Buch waren, freue ich mich, einen umfassenden und sorgfältig recherchierten Abriss des Frauenwahlrechts zu bekommen. Und hier ist er wieder, der Mehrwert dieses Buches!

Qualitäts-Lektüre über das Frauenwahlrecht

Ich kann das Buch wirklich jedem ans Herz legen, der sich über das Frauenwahlrecht informieren möchte und dabei nicht von trockener Thematik erschlagen werden möchte. Dieses Buch ist ansprechend illustriert und mitreißend geschrieben. Mit seinen knapp 170 Seiten eigenet es sich auch besonders als Lektüre für Zwischendurch oder um täglich ein Porträt zu lesen. Dank der verschiedenen Porträts lernt man zahlreiche Frauen kennen, die mit dem Frauenwahlrecht in Verbindung stehen, deren Namen man aber vielleicht noch nicht kannte. Das mag ich sehr!


Vielen Dank an den Elisabeth Sandmann Verlag für das Bereitstellen dieses Rezensionsexemplares.