Als ich nach Büchern zu dem Thema „starke Frauen“ recherchierte, bin ich ziemlich schnell auf den Elisabeth Sandmann Verlag gestoßen. Dieser verlegt Bücher über unbekannte Persönlichkeiten, darunter eben auch über unbekannte, aber mutige Frauen, die Ungewöhnliches in ihrem Leben geleistet haben.

Als ich mich näher mit dem Verlagsprogramm auseinandergesetzt habe, konnte ich mich nicht für ein einzelnes Buch entscheiden, sodass ich mich direkt mit sieben verschiedenen Büchern eingedeckt habe. Verschieden, aber doch haben sie alle eins gemeinsam: Sie beschäftigen sich mit Frauen, die Herausragendes geleistet haben.
Außergewöhnlich ist aber nicht nur der Inhalt, sondern auch die Aufmachung der Bücher. Sie fallen einem direkt ins Augen, denn sie sind wirklich sehr hochwertig gestaltet worden. Aber auch inhaltlich wurde sehr sorgfältig gearbeitet, sodass das Gesamtpaket am Ende stimmt.

Begonnen habe mit dem Buch Frauen, die ihre Träume leben von Claudia Lanfranconi. In diesem sind 33 Porträts versammelt, die Frauen aus unterschiedlichen Bereichen vorstellen. Darunter sind beispielsweise bekanntere Persönlichkeiten wie Marie Curie oder Rosa Parks, aber auch Elly Beinhorn ist mit einem Porträt vertreten. Und so habe ich mich kurzerhand quer durch 33 Menschenleben gelesen.

Unterteilt wurden die Porträts in fünf Kapitel, in diesen die Porträts thematisch zusammengefasst wurden. So beschäftigt sich das erste Kapitel beispielsweise mit Geschäftsfrauen Coco Chanel, Estée Lauder, Beathe Uhse oder Brownie Wise.
Im zweiten Kapitel werden Frauen vorgestellt, die sich für Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit einsetzten – mein Favorit ist hier ganz klar Katharine Graham. Weiter geht es mit Gesellschaftsdamen wie beispielsweise die Mitford-Schwestern.
Im Anschluss daran werden Aktivistinnen und Rebellinnen wie Rosa Parks und Malala Yousafzai vorgestellt, bevor abschließend noch einmal sechs Abenteuerinnen vorgestellt werden. Hier entdeckt man unter anderem Walentina Tereschkowa, Elly Beinhorn und Ida Pfeiffer.

MEINE LESEEINDRÜCKE

Ich muss zuallererst sagen, dass ich wirklich Freude beim Lesen hatte. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, durch dieses wunderschön gestaltete Buch zu blättern. Dabei besitze ich „nur“ die Taschenbuchausgabe aus dem Insel-Verlag und nicht das Hardcover, das im Elisabeth Sandmann Verlag direkt erscheint. Diese Ausgabe muss noch einmal sehr viel schöner sein – obwohl, geht das überhaupt?

Ich kann es gar nicht wirklich in Worte fassen, ich bin der Meinung, dass man dieses Erlebnis – und das ist es gewiss – einfach selbst erleben muss, indem man das Buch zur Hand nimmt, darin blättert und sich von dem Gesamtpaket überzeugen lässt.
Aber dennoch vielleicht ein kleiner Eindruck: Es sind wirklich zahlreiche Bilder und Fotografien abgedruckt, die jedem Porträt eine ganz individuelle Note verleihen. Außerdem sind die Seiten nicht wie üblich weiß, sondern jedes Kapitel hat anders eingefärbte Seiten. So beginnt das Buch auf roséfarbenem Papier und endet mit mintfarbenen Seiten. Man kann tatsächlich auf jeder Seite die Liebe zum Detail erkennen. Ein wahrer Hingucker!

 

Aber nicht nur gestalterisch, sondern auch auf die sorgfältige inhaltliche Aufbereitung wurde viel Wert gelegt. Das kann man zweifellos erkennen. Teilweise sind die Porträts wirklich sehr ausführlich und auch bei Frauen, die man zu kennen glaubt, zaubert Lanfranconi Informationen aus dem Ärmel, die man gewiss noch nicht kannte.

Dennoch muss ich zugeben, dass für meinen Geschmack einige Porträts zu kurz geraten sind. Gerade das Kapitel über die Aktivistinnen & Rebellinen war mein heimlicher Favorit in diesem Buch und als ich zu diesem Kapitel vorstieß, musste ich zu meinem Bedauern feststellen, dass gerade dieses Kapitel ziemlich knapp ausgefallen ist.
Marie-Madelaine Fourcade wurde leider nur – ich gehe vom reinen Fließtext aus – eine dreiviertel Seite eingeräumt, über Rosa Parks wurden nur zwei Absätze verfasst, die sich insgesamt auch auf ungefähr eine dreiviertel Seite erstrecken. Teresa Cordopatri und Malala Yousafzai wurden auf jeweils einer Seite abgehandelt. Ich hätte mich gefreut, hätte man all diesen couragierten Frauen ein klein wenig mehr Platz eingeräumt. Das Porträts von Bertha von Suttner beispielsweise hat in meinen Augen eine angemessene Länge.

Aber nichtsdestotrotz lohnt sich die Lektüre dieses wundervollen Buches. Es liefert einen schönen Querschnitt durch die unterschiedlichsten Biographien. Ich habe viele Frauen kennengelernt, die ich vor diesem Buch noch überhaupt nicht kannte. Oder wusstet ihr, dass Brownie Wise dafür verantwortlich ist, dass heutzutage in jedem Haushalt Tupperdosen in allen möglichen Farben, Formen und Größen zu finden sind?
Außerdem habe ich einen Einblick in das Leben von Frauen erhalten, die ich bisher nur vom Namen kannte. Ein Beispiel hierfür ist Elly Beinhorn. Der Name ist mir schon seit meiner Kindheit geläufig, doch wusste ich nie, was diese Frau so Wundervolles geleistet hat, dass die Straße, in der eine Grundschulfreundin von mir wohnte, nach ihr benannt wurde.

SCHLUSSBETRACHTUNG

Insgesamt betrachtet kann ich für dieses Buch eine klare Leseempfehlung aussprechen. Frauen, die ihre Träume leben besticht durch seine herausragende Gestaltung und der sorgfältigen inhaltlichen Recherche der Porträts.
Vor allem aber motivieren mich diese eindrucksvollen Lebensgeschichten, selbst aktiv zu werden und im eigenen Leben ebenfalls Bedeutendes zu leisten.

Es lässt mich mit einem guten Gefühl zurück und ich kann es wirklich nur jedem ans Herz legen, der gerne über kluge und couragierte Frauen und deren Lebensgeschichten lesen möchte. Ich werde meine Nase auf jeden Fall noch in weitere Bücher aus diesem Verlag stecken.

ECKDATEN & WEITERE INFORMATIONEN

Titel: Frauen, die ihre Träume leben | Autor: Claudia Lanfranconi | Verlag: Insel Verlag (ursprünglich Elisabeth Sandmann Verlag) | Seitenzahl: 174 | Taschenbuch | ISBN: 978-3-458-36295-1 |

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