Ich bin großer Fan liebevoll gestalteter Sachbücher, egal ob für Jugendliche oder für Erwachsene. Wichtig ist mir allein, dass die Informationen sorgfältig recherchiert und ansprechend aufbereitet wurden. Sofern es sich nicht um ein wissenschaftliches Buch handelt, sollte mich der Inhalt – im Falle eines Sachbuches – neben informieren auch ein wenig unterhalten. Es muss folglich den Spagat zwischen Unterhaltungslektüre und Informationsquelle erfolgreich bestehen. Ohne viel vorweg nehmen zu wollen, aber Alexander von Humboldt aus dem Gerstenberg Verlag hat dies geschafft – ich bin wirklich beeindruckt.

Sehnsucht nach der Ferne: Ein mitreißendes Sachbuch

Deklariert wird Alexander von Humboldt oder Die Sehnsucht nach der Ferne – wie der vollständige Titel des Buches lautet – für Leser ab 10 Jahren und das finde ich äußerst passend. Viele der Begriffe und Sachverhalte, die im Text thematisiert werden, werden noch einmal als Randnotiz  kurz und prägnant erklärt, wodurch dieses Buch bereits für junge Leser interessant ist.

Aber auch ich als Erwachsene habe die Lektüre sehr genossen. Tatsächlich hält auch jedes Kapitel unglaublich viele Informationen und Details für mich bereit, die mir zuvor nicht bekannt waren. Nach den knapp 100 Seiten über Alexander von Humboldt habe ich das Gefühl, einen enormen Wissenszuwachs zu haben – junge Leser werden nach der Lektüre sicherlich zu Humboldt-Experten.

Ganz besonders schön finde ich, wie das Buch es schafft, die vielleicht doch ein wenig trockene Thematik derart ansprechend zu präsentieren. Mit Sicherheit tragen hierzu auch die wunderschönen Illustrationen bei, die alles noch einmal lebhafter erscheinen und das Leben Humboldts anschaulicher werden lassen.

Das Buch skizziert Humboldts Lebensgeschichte, angefangen mit einem Abschnitt über seine Kindheit, in dem man viel über die Familie Humboldt erfährt, über seine Reisen bis hin zu seinem Tode. Es ist derart mitreißend erzählt, dass es auch in mir die Abenteuer- und vor allem Reiselust weckt – auch hier spielen mit Sicherheit wieder die Illustrationen eine große Rolle.

Mit Liebe zum Detail

Äußerst gelungen finde ich außerdem, welchen Platz Aimé Bonpland, Humboldts Reisebegleiter, in diesem Buch einnimmt – gerade weil das Buch zum einen nach Humboldt betitelt ist und anderseits Bonplands Verdienste, wie Mehnert anmerkt, generell ein wenig unbeachtet bleiben. Umso schöner ist es, dass Bonpland das ganze Buch über präsent ist, wie er es auch in Humboldts Leben selbst war. Aimé Bonpland war zeitlebens ein treuer Gefährte und ein wichtiger Teil von Humboldts Leben.

Wer bereits andere Sachbuch-Rezensionen von mir gelesen hat, weiß, dass meiner Auffassung nach zu jedem guten Sachbuch ein Quellenverzeichnis gehört. Dieses sollte zum einen denjenigen abholen, der sich über das Buch hinaus mit der Thematik auseinandersetzen und informieren möchte, aber natürlich auch all die anderen Leser animieren, sich auch nach der Lektüre dieses wunderschönen Sachbuches weiter mit Humboldts (und Bonplands) Lebensgeschichte auseinanderzusetzen.Was soll ich sagen? Ich wurde fündig, auf den letzten Seiten finden sich zahlreiche Literaturtipps, wo man noch mehr über die beiden Naturforscher erfahren kann. Großartig!

Klare Leseempfehlung!

Ich kann dieses wunderschöne Sachbuch mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Alexander von Humboldt schaffe den Spagat zwischen informierendem Sachbuch und Unterhaltungslektüre ganz hervorragend. Es eignet sich bereits für junge Leser, denn die Informationen sind leicht verständlich aufbereitet worden. Aber auch für Erwachsene gibt es allerlei zu entdecken, ich habe durch die Lektüre unglaublich viel über Humboldt und seine Reisen gelernt.


Vielen Dank an den Gerstenberg Verlag für das Bereitstellen dieses Rezensionsexemplares.