Im Landhauskrimi vereinen sich zwei Elemente, die ich in der Literatur sehr schätze. Dieses Genre steht einerseits in der Tradition des klassischen Kriminalromans und lässt sich außerdem in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen lokalisieren – eine Zeit, die ich literarisch sehr interessant finde. Üblicherweise assoziiert man die Queens of Crime mit der in dieser Zeit verfassten Kriminalliteratur: Agatha Christie, Margery Allingham oder Dorothy L. Sayers, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Männliche Vertreter stehen hier entschieden im Schatten. Farjeon aber zählte zu Sayers Lieblingsautoren. Sie bewunderte sein Talent, wodurch seine Werke an Aufmerksamkeit gewannen.

Der Landhauskrimi

Der typische Landhauskrimi entwickelte sich in den 1920er und 1930er Jahren zu einem eigenständigen Genre. Diese Art von Kriminalliteratur wurde von den Lesern gerne rezipiert, die Gründe liegen auf der Hand: Landhauskrimis spielen immer in einem abgeschlossenen Kosmos. Aufgrund dieser territorialen Begrenztheit wird dem Leser die Möglichkeit eingeräumt, seinen Scharfsinn und seine Intelligenz mit dem des Autors zu messen. Der Sachverhalt ist geklärt, die Umstände sind offengelegt, jetzt gilt es, klug zu kombinieren und den Täter zu überführen. All das natürlich möglichst, bevor der Autor selbst den Täter offenbart. Ich schätze, es ist offensichtlich, worin hier der Reiz liegt und wie der Landhauskrimi für eine ziemlich lange Zeit so erfolgreich werden konnte.

Tatsächlich wurden Landhauskrimis schon bald wie am Fließband produziert. Die große Herausforderung bestand dabei immer darin, trotz der Begrenztheit des Handlungsortes, dennoch einen gewissen Einfallsreichtum zu beweisen – same same but different sozusagen.

Schauen wir nun einmal, ob es Farjeon mit 13 Gäste meiner Auffassung gelungen ist, an diese Tradition anzuknüpfen. Ich persönlich mag Landhauskrimis sehr gerne. Gerade der überschaubare Personenkreis und der fest definierte Handlungsort erleichtert es mir ungemein, der Handlung des Krimis zu folgen und die Figuren nicht zu verwechseln.

J. Jefferson Farjeon – 13 Gäste

Die Handlung von 13 Gäste setzt am Bahnhof von Flensham ein. Dort ereignet sich ein Unfall, durch den sich John Foss am Fuß verletzt. Die Witwe Nadine Leveridge bemerkt diesen Vorfall und läd John kurzerhand ein, sie doch nach Bragley Court zu begleiten, um dort zu genesen. John nimmt die Einladung an. Bragley Court ist das Anwesen von Lord Aveling, der übers Wochenende Gäste zu sich eingeladen hat. Unter den Gästen befinden sich u.a. Schriftsteller, Criket-Spieler, Maler, Abgeordnete – und eben John Foss.

Die ursprüngliche Gästezahl betrug 12 Gäste, doch durch das ungeplante Erscheinen von John Foss stieg die Zahl nun auf die Unglückszahl 13. John selbst ist nicht abergläubich, aber die übrige Gesellschaft hingegen schon. So heißt es, dass dem 13. Gast, der durch die Tür schreiten wird, ein Unglück ereilen wird. Und tatsächlich: Nach einer Abfolge merkwürdiger Ereignisse, findet einer der 13 Gäste auf Bragley Court den Tod.

Same same but different?

Ich habe mich wirklich sehr auf 13 Gäste gefreut, weil ich bereits Ein Mord zu Weihnachten von Francis Duncan, ebenfalls ein Landhauskrimi im weihnachtlichem Ambiente, sehr mochte und gespannt war, weitere Klassiker zu entdecken. Schon das Cover sprach mich an und ließ meine Vorfreude steigen. Doch die Geschichte, die zwischen den Buchdeckeln auf mich wartete, konnte mich schlussendlich dann doch nicht so recht überzeugen.

Für mich hat sich die Lektüre ziemlich in die Länge gezogen, einfach weil keine Stimmung aufkommen wollte. Auch, wenn das Setting wirklich vielversprechend und ansprechend beschrieben wurde, habe ich mich nicht selbst auf Bragley Court wiedergefunden – ich war einfach nicht Teil der Geschichte, ich verspürte nicht den Drang, bei den Ermittlungen zu helfen und den Täter zu überführen. Der Funke ist nicht übergesprungen.

Mögen all die unterschiedlichen Persönlichkeiten gut ausgewählt und konstruiert gewesen sein, konnte ich leider dennoch herzlich wenig mit ihnen anfangen. Obwohl es nur ein Dutzend Charaktere waren, habe ich sie immer wieder verwechselt, einfach weil niemand mit seinen Eigenschaften aus der Masse herausgestochen ist. Das Wiedererkennungspotential war einfach nicht da. Das ist wirklich sehr schade.

Auf in die nächste Runde!

Ich muss zugeben, mein Leseerlebnis mit 13 Gäste war ein wenig ernüchternd. Obwohl das Setting und auch die Prämisse des Krimis ist wirklich vielversprechend sind, konnte mich die Umsetzung letztendlich nicht vollständig überzeugen. Für mich kam nicht genügend Spannung auf und die Figuren blieben zu schemenhaft.

Dennoch möchte ich Geheimnis in Weiß, ein weiterer Landhauskrimi, den Farjeon ein Jahr nach 13 Gäste verfasst, eine Chance geben. Denn ich schätze, dass hier der Funke eher überspringen wird, gerade auch, weil ich Weihnachtskrimi sehr mag und ich mir vorstellen kann, dass meine Kritikpunkte von 13 Gäste hier – zumindest für mich – besser umgesetzt werden können.


Vielen Dank an Klett Cotta für das Bereitstellen des Rezensionsexemplares.