Erst kürzlich habe ich Kriminalliteratur – oder genauer gesagt Detektivgeschichten – für mich entdeckt. Ich habe im letzten Jahr Mord im Orientexpress von Agatha Christie zu Weihnachten geschenkt bekommen und seitdem verweilte es auf meinem SuB. Erst im Herbst habe ich mich an die kleine aber feine Detektivgeschichte gewagt und damit mein erstes Buch von Agatha Christie gelesen.

Es war für mich eine völlig neue Erfahrung, einfach weil ich mir nichts unter Detektivromanen vorstellen konnte – ich habe bis dahin einfach – zumindest bewusst – noch keinen gelesen. Oft wird bemängelt, dass in Krimis ja gar nichts passiere, es ziehe sich endlos, es fehle die Action. Das klingt erst einmal ein wenig ernüchternd, aber der Empfehlung, lieber zu einem Thriller zu greifen, wollte ich auch nicht bedingungslos folgen. Denn im Grunde ist es genau das, was ich an Thrillern oft nicht mag.

Viele Thrillerautoren beschreiben in ihren Romanen unzählige gewalttätige Handlungen und laden sie damit mit einer derartigen Brutalität auf, dass es für mich schlicht zu viel des Guten ist. Mit jeder Seite versucht man sich selbst zu übertrumpfen. Das finde ich irgendwie lächerlich. Um eine gute Story abzuliefern, muss man sich nicht die abscheulichsten Dinge vorstellen und zu Papier bringen können, man muss sein Handwerk beherrschen.

Das ist genau das, was ich bei Agatha Christie beobachten konnte. Der Mord passiert direkt zu Beginn des Buches, das Territorium, in dem der Roman spielt, ist von Beginn an festgelegt, man weiß, worauf man sich mit der Lektüre von Mord im Orientexpress einlässt – gemeinsam mit Poirot sucht man den Mörder. Nicht mehr, nicht weniger. Hier geht es nicht um Action oder Brutalität. Ein Kriminalroman wird durch Sprachgefühl zum Pafe-Turner – und Christie versteht ihr Handwerk.

Ein Mord zu Weihnachten – Mein zweiter Detektivroman

Nachdem ich von Christie regelrecht angefixt war, habe ich mich nach meiner nächsten Detektivgeschichte umgesehen. Dabei bin ich auf zahlreiche Weihnachtskrimis gestoßen und habe mich letztendlich für Ein Mord zu Weihnachten von Francis Duncan entschieden. Auch dieser kleine aber feine Roman hat mich ganz hervorragend unterhalten.

Schauplatz dieses Romans ist das kleine britische Landgut von Benedict Grame, zu dem er alljährlich Freunde und Bekannte zu einem großen Weihnachtsessen an Heiligabend einläd. Er lebt abgeschieden und zurückgezogen und es bereitet ihm große Freude, jedes Jahr zu Weihnachten sein Haus weihnachtlich zu schmücken und Geschenke für jeden an den prächtigen Weihnachtsbaum zu hängen.

So auch in diesem Jahr. Doch diesmal befindet sich ein neues Gesicht unter den Gästen – der Hobbydetektiv Mordecai Tremaine. Als am späten Heiligabend eine Leiche unter dem Weihnachtsbaum gefunden wird, wird Tremaines Spürsinn geweckt und er versucht herauszufinden, wer der Mörder ist.

Erstklassiges Sprachgefühl & toller Auftakt

Bereits auf den ersten Seiten wird eine herrliche Weihnachtskulisse geschaffen, ich kann mir das Landgut inmitten der winterlichen Landschaft mit all dem Schnee vor meinem inneren Auge vorstellen. Ich bin instant in Weihnachtsstimmung und möchte gar nicht aufhören zu lesen, um gemeinsam mit Tremaine das Landgut und damit den Ort des Geschehens zu betreten.

Trotz des Mordes und der damit aufkommenden Aufgeregtheit, ist es ein ruhiger Roman. Die vorgenommenen Sprechakte sowohl von Tremaine als auch der anderen Figuren wirken allesamt durchdacht. Schon die Hinführung zu dem Mord finde ich großartig. Als Leser weiß man, worum sich der Roman drehen wird und man ahnt bereits, dass Tremaine auf Spurensuche gehen wird.

Bevor dies jedoch geschieht, macht sich Tremaine erst einmal mit allen Gästen auf den unterschiedlichsten Wegen und Arten bekannt und versucht sehr viele Informationen über sie in Erfahrung zu bringen – eben ganz der Hobbydetektiv. Zu diesem Zeitpunkt weiß er aber noch nicht, dass sich ein Mord zutragen und sein Spürsinn gefragt sein wird. Dieser Wissensvorsprung als Leser verschafft diesem Roman eine ganz eigene Atmosphäre und Dynamik, die ich sehr mag.

Nach dem überraschenden Einstieg folgte eine kluge und pfiffige Ermittlungsarbeit von Tremaine. Ich habe wirklich auf jeder Seite mitgerätselt und mich über jede neue Erkenntnis gefreut, die ich gewissermaßen gemeinsam mit Tremaine in Erfahrung bringen und korrekt kombinieren konnte. Das hat mir wirklich Spaß gemacht.

Ebenso wie der Einstieg, überraschte mich auch die Auflösung des Mordes und das Aufspüren des Mörders. Ich habe wirklich den ganzen Roman hindurch mitgerätselt, aber mit diesem Ergebnis hätte ich wahrlich nicht gerechnet.

Toller Weihnachtskrimi

Nach der Lektüre von Ein Mord zu Weihnachten bin ich mir fast sicher: Der Krimi mit seinen Detektivgeschichten ist das Genre, das auf mich gewartet zu haben scheint und ich bin mehr als froh, es endlich für mich entdeckt zu haben.

Ich bin sowohl von Duncans Sprachgefühl als auch Schreibstil begeistert und freue mich auf weitere Detektivgeschichten aus seiner Feder. Ein wenig schade finde ich, dass ausschließlich Ein Mord zu Weihnachten ins Deutsche übersetzt wurde – einfach, weil ich befürchte, im Original der Detektivarbeit nicht en detail folgen zu können. Aber für die Lektüre der weiteren Fälle von Tremaine wird man mit wunderschönen Ausgaben von Vintage belohnt und das lässt mein Bücherherz natürlich direkt höherschlagen.