Ich bin schon ziemlich lange um diesen Kurzgeschichtenband herumgeschlichen und die milden Temperaturen im Februar haben in mir den Wunsch ausgelöst, mit Mörderisches Grün von Agatha Christie frühzeitig den Frühling einzuläuten. Allein das Cover ist wunderschön und löst in mir die Vorfreude auf die bevorstehende Gartensaison aus, die bei mir hoffentlich weniger Leichen zutage fördern wird als in den Kurzgeschichten.

Tatort Garten

Noch bevor ich begonnen habe, mich näher mit dem Genre Krimi zu beschäftigen, ist mir ich eine Redewendung immer und immer wieder zu Ohren gekommen, nämlich: Der Gärtner ist immer der Mörder. Der Garten scheint also seither ein beliebtes Refugium für Kriminalgeschichten zu sein. So ermitteln Miss Marple und Hercule Poirot ebenfalls im Garten oder lösen Fälle, die sichimmer um Mörderisches Grün drehen.

Ein wahres Paradies für Hobby-Gärtnerin Miss Marpel. So ist es auch nicht verwunderlich, dass von diesen 6 Kurzgeschichten gerade einmal eine einzige Kriminalgeschichte Hercule Poirot gewidmet ist. Auf der einen Seite, finde ich das schade, doch hatte ich so die Gelegenheit, endlich einmal gemeinsam mit Miss Marple zu ermitteln. Denn bisher habe ich – eher unterbewusst – immer zu Fällen gegriffen, die Poirot zugeordnet waren.

Unterhaltsam, originell, abwechslungsreich

Genau dort setzt aber auch schon meine Kritik an. Mir ist bewusst, dass diese Kurzgeschichten allesamt aus Christies erschienenen Werken zusammengetragen und hier liebevoll aufbereitet an einem gesammelten Ort noch einmal veröffentlicht wurden. Vermutlich hat Miss Marple als Hobby-Gärtnerin schlichtweg häufiger im Garten ermittelt als Poirot. Und doch stört mich das ein klein wenig. Nicht zuletzt, weil der Untertitel sowohl Miss Marple als auch Poirot als Ermittler nennt. Streng genommen ist daran auch nichts falsch, dennoch hat es in mir die falschen Erwartungen hervorgerufen. Ich hätte mir eine faire 50:50-Verteilung gewünscht, vielleicht auch, weil ich Poirot bisher ein klein wenig sympathischer finde als Miss Marple.

Davon aber einmal abgesehen, ist dieser Sammelband mit seinen 6 Kurzgeschichten wirklich ausgezeichnet. Besonders gelungen finde ich Was wächst in deinem Garten? mit Poirot, aber auch die anderen Kriminalgeschichten in Mörderisches Grün haben mich wirklich hervorragend unterhalten. Hier mag ich vor allem den Ideenreichtum Christies. Tatsächlich habe ich vor der Lektüre gedacht, dass in den Kurzgeschichten jeweils eine Leiche im Garten gefunden würde und man sich mit Miss Marple und Poirot in die Ermittlungen stürzt. Doch dem ist nicht so. Die Geschichten sind abwechslungsreich und originell. In dieser Hinsicht hat mich Die blaue Geranie besonders überrascht.

Beeindruckend finde ich außerdem, dass es Christie selbst in dieser kurzen Erzählform gelingt, ihren Geschichten ihre unvergleichliche Handschrift zu verleihen. Obwohl die Kurzgeschichten nur ungefähr 30 Seiten umfassen, wird auf diesem kleinen Raum eine wirklich einzigartige Atmosphäre geschaffen, das mag ich unglaublich gerne. In jeder der Geschichten wird der Charme der klassischen Kriminalliteratur deutlich, ohne dabei die zeitlose Eleganz, die für dieses Genre typisch ist, zu verlieren.

Kriminalgeschichten für Gartenfreunde

Ich lege Mörderisches Grün all jenen ans Herz, die auf der Suche nach einer Lektüre für einen verregneten Sommertag sind und sich für klassische Detektivarbeit begeistern können. Zwischen den Buchdeckeln gibt es 6 originelle und unterhaltsame Kriminalgeschichten zu entdecken, bei denen jedem Gartenfreund das Herz höherschlägt.


Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Zusenden des Rezensionsexemplares.