Ich hoffe, ihr seid bereit für jede Menge niedlicher Illustrationen, denn heute möchte ich euch Paulchen & Pieks von Laura Bednarski vorstellen. Schon allein in das Cover habe ich mich Hals über Kopf verliebt und konnte gar nicht anders, als mir schnellstens dieses Bilderbuch zu ordern. Aber, wer kann es mir verübeln? Sind die beiden, Pieks mit seinem grünen Halstuch und Paulchen mit seinem neugierigen und aufgeweckten Blick, nicht zuckersüß? Außerdem löste der Untertitel des Bilderbuches etwas in mir aus und ich fühlte mich sofort emotional entweder mit Paulchen oder Pieks – zu diesem Zeitpunkt war ich mir noch nicht sicher, wer der Übernachtungsgast sein würde – verbunden.

Die Sache mit dem Anderswo-Übernachten

Der Klappentexte klärte mich sehr schnell auf: Es war Paulchen der Fuchs, der bei seinem Freund Pieks übernachtete und damit zum ersten Mal woanders als zu Hause schlief. Ich kann mich noch sehr gut an die Momente in meiner Kindheit erinnern, in denen ich entweder bei Freunden oder bei Schulausflügen (Lesenacht in der Schule, Aufenthalt in der Jugendherberge usw.) anderswo – und damit nicht in meinem eigenen Bett – schlafen sollte. Aushäusig übernachten war für mich schon immer so eine Sache. Damals wie heute – ich mag es einfach nicht.

Das hat nichts damit zu tun, dass ich die Freunde oder die Veranstaltungen nicht mochte, ganz im Gegenteil. Es ist vielmehr so, dass ich am Ende des Tages meinen Rückzugsort brauche, meine vertraute Umgebung, in der ich mich wohl- und geborgen fühle. Egal, wie sehr der Gastgeber versuchte, es mir heimelig zu machen, es funktionierte nicht. Es waren nicht meine vertrauten vier Wände und damit war es für mich – zumindest früher – ausgeschlossen, dass ich mich dort in dem Maße wohlfühlen könnte, als dass ich gerne dort übernachtete. Heute hat es sich glücklicherweise ein wenig normalisiert, aber nach wie vor ist es so, dass ich auch gerne einen langen Heimweg in Kauf nehme, um in meinem eigenen Bett schlafen zu können.

Womöglich ist dies ein wenig verrückt und vielleicht hätte mir in meiner Kindheit ein Buch wie Paulchen & Pieks geholfen, dieses Unbehagen abzulegen und auch anderswo ein heimeliges Gefühl zu entwickeln. Aus diesem Grund ist es mir unglaublich wichtig, euch heute Paulchen & Pieks von Laura Bednarski vorzustellen, denn in diesem kleinen aber feinen Bilderbuch lässt sich Pieks allerhand Dinge einfallen, um seinem Freund Paulchen das Heimweh zu nehmen.

Paulchen & Pieks – eine herzerwärmende Freundschaft

Nach der Schule geht Paulchen, der Fuchs, nicht wie gewohnt zu sich nach Hause, sondern begleitet seinen Freund Pieks, den Igel, denn dort wird er heute zum ersten Mal übernachten. Beide sind schon unglaublich aufgeregt und freuen sich sehr. Am Mittag spielen sie gemeinsam mit Pieks‘ Geschwistern im Waldgarten. Sie lachen, toben und haben ganz viel Spaß. Als Mama Igel zum Abendessen ruft, setzen sich alle an den üppig gedeckten Tisch. Heute gibt es Waldpilzauflauf. Es duftet herrlich und auch, wenn es ganz anders als zu Hause schmeckt, findet Paulchen den Auflauf ganz lecker.

Zwischen Abendessen und dem Zubettgehen machen Paulchen, Pieks und seine Geschwister noch eine Kissenschlacht. Auch eine Gutenachtgeschichte wird erzählt. Alles ist wirklich sehr herzlich, doch auch der schönste Tag ist einmal zu Ende und so machen sich die kleinen Igel und Paulchen auf ins Bett.

Pieks – ein wahrer Freund

Doch kaum hat sich Paulchen hingelegt, bemerkt er, wie anders es doch bei Familie Igel ist. Es ist sehr schön, aber anders. Auch, wenn das Bett sehr gemütlich ist, piekst sich Paulchen ziemlich schnell an den Igelstacheln. Wie soll er so bloß schlafen? Doch da eilen Pieks und seine Geschwister bereits zur Hilfe und verarzten Paulchen. Außerdem bauen sie ihm einen riesigen Blätterhaufen, auf dem er schlafen kann, ohne gepiekst zu werden. Aber Paulchen möchte nicht so hoch schlafen, dabei fühlt er sich gar nicht wohl. Auch der Schlafplatz vor dem warmen Kamin behagt ihm nicht, denn dort ist er so schrecklich weit von seinem Freund Pieks entfernt.

Pieks lässt sich nicht entmutigen und kümmert sich wirklich hingebungsvoll um seinen Freund. Er kocht ihm einen warmen Tröst-Kakao, Pieks‘ kleine Schwester leiht ihm ihr Lieblingsstofftier, sie singen ein Gutenachtlied für ihn, zeichnen ihm ein schönes Bild von einem Fuchs, doch alles hilft nichts. Paulchen möchte am liebsten nach Hause.

Da hat Pieks die rettende Idee. Er holt den selbstgestrikten Schal von Oma Igel hervor. Dieser ist wirklich meterlang und Paulchen kann sich komplett darin einwickeln. Er fühlt sich sofort geborgen und kann richtig gut schlafen. Selbst sein Freund Pieks und seine Geschwister können sich an den Schal kuscheln, ohne, dass sie Paulchen pieksen. So fühlt sich Paulchen nicht allein, hat auch gar kein Heimweh mehr und die erste Übernachtung bei seinem allerbesten Freund wird doch noch zu einem vollen Erfolg.

Ein Buch, das in jedes Kinderzimmer gehört

Ein unglaublich liebevoll illustriertes Bilderbuch, das ich am Liebsten in jedes Bücherregal im jedem Kinderzimmer stellen würde. Denn ich bin mir sicher, dass es auch anderen Kindern so geht wie mir in meiner Kindheit und sie oft großes Heimweh bekommen, wenn sie woanders schlafen. Paulchen & Pieks zeigt auf liebevolle Weise, wie das Heimweh beim Übernachten außerhalb der gewohnten vier Wände eingedämmt und der Übernachtungs-Besuch bei Freunden rundum zu einem tollen Erlebnis wird. Dieses Buch hätte ich mir in meiner Kindheit gewünscht und aus diesem Grund ein herzliches Dankeschön an Bednarski für dieses großartige Bilderbuch!


Vielen Dank an den Thienemann-Esslinger Verlag für das Zusenden des Rezensionsexemplares.