Die Sache mit den Klassikern ist immer so eine Sache. Viele nehmen sich – gerade jetzt zu Beginn des neuen Lesejahres – vor, mehr Klassiker zu lesen und merken dann am Jahresende, wenn man sein Lesejahr resümiert, dass es nicht geklappt hat. Das finde ich sehr schade, gerade weil ich Klassiker sehr mag.

Bevor ich euch meine 6 Tipps verrate, wie ihr es schaffen werdet, mehr klassische Literatur zu lesen, möchte ich noch eine wichtige Botschaft mit auf den Weg geben. Klassiker sind Bücher, wie jedes andere auch. Mir ist bewusst, dass mit dem Klassikerlesen eine gewisse Angst verbunden ist – veraltete Sprache, der fehlende Zugang, der langsame Lesefortschritt -, die meiner Meinung nach aber vollkommen unbegründet ist. Wenn ein Buch als Klassiker bezeichnet wird, spricht das in meinen Augen für eine gewisse Qualität. Nicht ohne Grund, wird manches Werk nach so vielen Jahrhunderten und sogar gesellschaftlichen Umbrüchen noch rezipiert – und ist oft heute noch erschreckend aktuell. Wenn ein Buch das Prädikat Klassiker erhält, kann man als Leser meist davon ausgehen, dass das Buch eine Qualität und Zeitlosigkeit an sich hat, die einen nur schwerlich vollständig enttäuschen können.

Außerdem sollte man nicht vergessen, dass es auch moderne Klassiker gibt, die erst vor wenigen Jahr(zehnt)en geschrieben wurden und gar nicht veraltet oder sonstwie verstaubt wirken. So haben vermutlich viele von uns den kleinen Prinzen oder das Tagebuch der Anne Frank gelesen, die ich ganz klar als moderne Klassiker einordnen würde.

Damit euch in diesem Jahr das Klassikerlesen leichter fällt, sind hier meine 6 Tipps, wie ihr den Zugang zu Klassikern findet und endlich mehr klassische Literatur lesen werdet. Eure Lesestatistik wird sich freuen! Viel Spaß!

1. Beginne mit Kinder- und Jugendbuchklassikern

Mein erster Tipp ist, mit Klassikern zu starten, deren Geschichten einem bereits vom Hörensagen vertraut sind. Viele Geschichten, mit denen wir in unserer Kindheit oder Jugend in Berührung gekommen sind, sind Klassiker, ohne dass wir es wissen. Oder bessergesagt, ohne, dass wir bisher näher darüber nachgedacht haben. Mir ging es zumindest so. Es dauerte viele Jahre, bis mir bewusst wurde, dass die allseits bekannten Disney-Klassiker Literaturverfilmungen sind. Aber auch fernab des Disney-Kosmos gibt es zahlreiche Klassiker, von denen man nur Fragmente kennt, deren Figuren einem vertraut erscheinen, man aber schlussendlich feststellt, das Buch dazu nie gelesen zu haben. Zeit, dies zu ändern!

Nachfolgend möchte ich nur einige wenige Beispiele anführen, um euch ein wenig Inspiration zu liefern: Die Schatzinsel, Robinson Crusoe, Moby Dick, Robin Hood, Huckleberry Finn, Die drei Musketiere, Till Eulenspiegel, Heidi, Peter Pan, Dschungelbuch, Alice im Wunderland, Gullivers Reisen, Pinnocchio. Die Liste ist natürlich nicht abschließend.

Deswegen mein Tipp an dieser Stelle: Beginnt mit Kinder- und Jugendbuchklassikern. Ihr werdet feststellen, wie leicht es euch fällt, das Buch zu lesen, einfach weil euch viele Elemente, Figuren, Handlungen und Redewendungen bekannt vorkommen und sie bestenfalls mit einer schönen Erinnerung aus eurer Kindheit verknüpft. Außerdem kommen diese Klassiker oft ohne Meta-Ebenen aus. Natürlich kann man auch – oder vielleicht gerade – in Kinderbuchklassiker so einiges hineindeuten, aber sie kommen auch ganz prima ohne Interpretationen aus. Und das mag ich an ihnen so gerne.

2. Nimm dir zunächst dünne Klassiker vor

Es muss nicht gleich Anna Karenina von Tolstoi sein, mit dem man das Klassiker-Lesen beginnt. Ehrlichgesagt glaube ich, dass ich ziemlich schnell das Interesse daran verloren hätte, wenn ich Wochen, vielleicht Monate an meinem ersten Klassiker gelesen hätte. Es ist völlig in Ordnung, mit einem dünnen Klassiker zu starten oder vielleicht sogar erst einmal mit einer (oder mehrerer) Kurzgeschichte(n). Ich schätze sogar, dass dies der Schlüssel zum Erfolg ist. Denn so kann man in kurzer Zeit viele unterschiedliche Geschichten kennenlernen und sogar beliebig im Genre wechseln und sich dadurch einen sehr schönen Überblick verschaffen.

Generell bin ich ein großer Fan von Kurzgeschichten und bin deswegen der Meinung, dass sie viel häufiger gelesen werden sollten. Denn sie bringen wirklich viele Vorteile mit sich. Dadurch, dass es, wie der Name schon sagt, kurze Geschichte sind, lassen sie sich ganz fabelhaft in den Alltag integrieren. Sie eignen sich hervorragend als kleine Bahnlektüre – egal, wie kurz der Weg auch ist. Egal, ob zur Uni oder zur Arbeit, ein Kurzgeschichtenband findet in jeder noch so kleinen Tasche einen Platz und versüßt einem wirklich jede Minute der Bahnfahrt.

Darüber hinaus kann man durch Kurzgeschichten einen sehr schönen Einblick in den Schreib- und Erzählstil eines Autors erhalten und im Anschluss an die Lektüre entscheiden, ob man ein Buch des Autors liest oder eben nicht. Es ist gewissermaßen wie ein kleiner Vorgeschmack auf das Œuvre eines Schriftstellers.

Gerade, weil früher Kurzgeschichten viel beliebter waren als sie es heutzutage sind, eignen sie sich besonders, um sein Klassiker-Pensum zu erhöhen. Dabei ist es egal, ob man Fan von Grusel- und Schauergeschichten ist und deswegen zu Edgar Allan Poe greift oder ob man lieber an der Seite von Sherlock Holmes Detektivarbeit leistet. Freunde der Roaring Twenties erzielen sicherlich mit Zelda Fitzgerald einen Volltreffer. Die Auswahl ist wirklich riesengroß und ich bin sicher, dass jeder etwas für sich entdecken wird – egal, ob Kurzgeschichte oder dünner Klassiker.

3. Lies Klassiker aus einem Genre, das du magst

Eigentlich ist der nächste Tipp nicht wirklich ein Tipp, denn auch bei zeitgenössischer Literatur würde man in der Regel kein Genre lesen, das einem nicht gefällt. Aber ich möchte es an dieser Stelle noch einmal hervorherben: Lies nicht Jane Austen, wenn du keine Liebesromane magst. Quäl dich nicht durch Bücher, nur, weil sie Klassiker sind und „man sie gelesen haben muss“. Das muss man nämlich nicht. Klassiker gibt es in allen Genres, du wirst sicher etwas finden, was dich anspricht. Verwende deine Energie lieber darauf, für dich ansprechende Klassiker zu finden, die dir schöne Lesestunden bereiten und lese nichts, nur um es auf einer Liste abzuhaken. Dadurch wirst du automatisch mehr Klassiker lesen, vertrau mir.

4) Informiere dich über den Klassiker

Der nächste Punkt ist mir persönlich sehr wichtig und ich versuche dieses Vorgehen bei allen Büchern, die ich lese, anzuwenden – einfach weil es so viele wertvolle Informationen liefert und oft zu einem besseren Verständnis beiträgt. Ich habe vor geraumer Zeit einmal in den sozialen Netzweken aus Neugierde eine Umfrage gestartet, ob bei einem Buch ausschließlich die Geschichte als solches gelesen oder auch Vorwort, Nachwort, Anmerkungen des Autors und sonstige enthaltenen Informationen gelesen werden. Die Antworten fande ich sehr niederschmetternd. Nur ein verschwindend geringer Teil liest über die eigentliche Geschichte hinaus! Warum? Ich frage mich, wieso so viele Leser nicht an weitergehenden Informationen zu Büchern interessiert sind. Wer war der Autor, wo und wann lebte er, unter welchen Umständen hat er das Buch geschrieben, was war seine Motivation, was seine Intention?

Ich freue mich immer sehr, wenn diese Informationen im Buch selbst mit abgedruckt sind und erste Impulse liefern, um sich über das Werk hinaus damit zu beschäftigen. Gerade bei Klassikern finde ich das enorm wichtig und vor allem hilf- und aufschlussreich. Es hilft wirklich außerordentlich, um den Klassiker selbst besser verstehen und einordnen zu können. Wieso wurde er geschrieben, wodurch ist er zu einem Klassiker geworden, wieso lesen wir ihn heute noch? Sammelt so viele Informationen über den Klassiker, wie ihr könnt.

Ihr werdet sehen, wie einfach euch im Anschluss daran der Einstieg fällt. Ich ertappe mich häufig dabei, wie mich diese Recherche derart vorfreudig auf das Werk selbst werden lässt. Oft möchte ich sofort im Anschluss den Klassiker lesen.

Neben Lektüreschlüsseln und Interpretationshilfen möchte ich euch noch eine weitere Sache ans Herz legen, die mir persönlich sehr hilft, mich eingehender mit Klassikern zu befassen und sie zu lesen. Verschafft euch einen Überblick über die Epoche, ordnet das Werk in seinen historischen Kontext ein. Was sind die ausschlaggebenden Motive und Motivationen jener Schriftsteller, die zu dieser Zeit geschrieben haben? Was hat sie angetrieben? Und vor allem – Findet heraus, welche weiteren Autoren zu jener Zeit ebenfalls geschrieben haben und findet so bestenfalls eure nächste Lektüre.

Ich habe auf diese Weise schon viele interessante Entdeckungen gemacht und kann euch als Sekundärliteratur die Bücher aus dem Hause J. B. Metzler sehr ans Herz legen. Diese sind wirklich unglaublich hilfreich und geben einen hervorragenden Überblick. Egal, ob ihr euch über deutsche, amerikanische oder russische Literaturgeschichte informieren wollt oder ob ihr mehr über Comic, Graphic Novels, Gegenwartsliteratur oder einzelne Schriftsteller wie E. T. A. Hoffmann, Schiller oder Kafka erfahren wollt – hier seid ihr richtig!

5) Starte Buddy-Reads

Gemeinsam machen Dinge immer mehr Spaß, als allein. Da bildet das Lesen von Klassikern keine Ausnahme. Deswegen mein Tipp an dieser Stelle: Sucht euch jemanden, der Interesse hat, mit euch zusammen einen Klassiker zu lesen. Einigt euch gemeinsam auf ein Werk, unterteilt den Klassiker in Abschnitte, legt Zeiträume fest, in denen ihr sie lest und lasst euch genügend Zeit, um euch darüber auszutauschen. Ihr werdet merken, wie zügig ihr mit dem Klassiker vorankommt und wie viel Freude es euch bereiten wird.

Lasst eure Buddy-Read-Gruppe aber nicht zu groß werden, denn sonst wird es schnell unübersichtlich. Außerdem erwische ich mich selbst oft dabei, dass ich in größeren Gruppen seltener mitdiskutiere, weil es mir zu anstrengend ist, auf jeden Wortbeitrag einzugehen bzw. in meiner Antwort zu berücksichtigen. Zusätzlich erhöht das in meinen Augen auch ein wenig den Druck und das sollte in keinem Fall geschehen, denn Lesen soll – egal, ob Klassiker oder ein anderes Buch – immer Spaß machen!

6) Sieh dir Verfilmungen an

Mein letzter Tipp, wie du mehr Klassiker lesen wirst, ist ganz simpel: Nutze andere Medien! Sieh dir Verfilmungen davon an, lass dir den Klassiker vorlesen oder hör dir ein Hörspiel davon an! Gerade das letztgenannte Medium – das Hörspiel – ist mein Geheimtipp.

Hier kann ich euch die Hörspiele von Titania Medien sehr ans Herz legen. Sie sind unglaublich atmosphärisch und sehr aufwendig vertont, die Figuren werden von den deutschen Stimmen vieler Hollywoodstars gesprochen. Es gibt die berühmte Reihe Gruselkabinett, in der viele bekannte Werke der Schauerliteratur vertont wurden. Aber auch Krimi-Fans kommen hier auf ihre Kosten – einerseits mit der Serie Sherlock Holmes, aber auch mit den Krimi-Klassikern. Für Kinderbuch-Fans sind sicher die Märchen oder die Reihe um Anne Of Green Gables interessant.

Aber auch Literaturverfilmungen schaue ich mir wahnsinnig gerne an. Der Bereich in unserem DVD- und Blu-Ray-Regal mit Literatur-Adaptionen wächst stetig. Auch, wenn ich oft höre, dass man immer zuerst das Buch lesen sollte, bevor man sich den Film anschaut, bin ich da anderer Meinung – gerade bei Klassikern. Mir hilft es oft, Zugang zu einem Werk zu bekommen, wenn ich mir zuerst die Verfilmung ansehe. Auch, wenn ich natürlich weiß, dass es das Buch nicht 1:1 abbildet, gibt es mir eine erste Orientierung und hilft mir wahnsinnig bei der Lektüre.

Viel Spaß beim Klassikerlesen!

Das waren sie, meine 6 Tipps, wie du es schaffen wirst, mehr Klassiker zu lesen. Ich freue mich, wenn du für dich den ein oder anderen wertvollen Tipp mitnimmst und du in diesem noch jungen Lesejahr – und natürlich in allen folgenden – öfter zu einem Klassiker greifen und Spaß daran haben wirst.