Bevor meine ungeplante Blogpause begann, habe ich mich, so wie ich es jedes Jahr versuche, mit dem Gastland der Frankfurter Buchmesse beschäftigt. Im letzten Jahr war Norwegen zu Besuch und das hat mich ganz besonders gefreut, denn ich mag die nordische Literatur sehr. Dementsprechend vorfreudig war ich auf alles, was ich in Vorbereitung auf den Messebesuch im Oktober lesen werde. Eines der Bücher, das mich durch den Klappentext sofort abgeholt hat, war Wolfsinsel von Lajla Rolstad.

Schauen wir uns das schmale Büchlein nun einmal genauer an.

Ein One-Way-Ticket nach Kanada, bitte!

Auch, wenn es der Klappentext eigentlich ziemlich deutlich macht, war ich wohl ziemlich unaufmerksam, denn erst während der Lektüre – und auch hier passierte es äußerst spät – bemerkte ich, dass die Protagonistin Lajla heißt und Wolfsinsel eine Biographie ist. Don’t judge me, denn eigentlich sagt dies schon alles über Wolfsinsel aus.

Lajla spielt immer häufiger das Szenario in ihrem Kopf durch, ihr bisheriges Leben hinter sich und sich fernab der Zivilisation niederzulassen. Ein Leben im Einklang mit der Natur ist ihr großes Traum. Eines Tages bucht sie einen Flug nach Kanada, in dessen Wildnis sie sich um ein Haus kümmern soll. Immer ordentlich einheizen und sich um den umliegenden Garten kümmern werden fortan ihre Hauptaufgaben sein.

Doch neben diesen Tätigkeiten wird Lajla schnell feststellen, dass die größte Herausforderung nicht das Bewirtschaften der Hütte, sondern das Leben in der vollkommenen Einsamkeit ist. Fernab der Zivilisation ist genügend Raum, um über das Leben im Allgemeinen und das eigene im Speziellen nachzudenken. Schritt für Schritt lernt Lajla das Alleinsein zu akzeptieren, ja gar zu mögen. Es scheint, als ist die endlich dabei, ihren Platz im Leben zu finden.

Eigensinniger Schreibstil & spezielle Protagonistin

Auch, wenn es sich bei Wolfsinsel um eine Biographie handelt und aus der Sicht der Protagonistin geschrieben ist, schaffe ich es das komplette Buch hindurch nicht, einen Zugang zu ihr zu finden. Der Schreibstil ist ruhig, fast schon monoton und gleichzeitig unglaublich schonungslos und rau. Ganz so wie man sich das Leben in der Wildnis vorstellt. Das ist eigentlich gar nicht schlecht. Aber vielleicht ist genau das mein Problem. Lajla ist mir von der ersten Seite, vielleicht schon vom ersten Satz an unfassbar unsympathisch und dies ändert sich bis zum Schluss nicht. Viele ihrer Handlungen kann ich nicht nachvollziehen. In meinen Augen trifft sie immerzu leichtsinnige Entscheidungen und ich habe das starke Bedürfnis, sie wachzurütteln und ihr zu sagen, dass sie es nicht tun soll. Manche Abschnitte machten mich gar aggressiv.

Um noch einmal auf den Schreibstil zurückzukommen. Zweifellos passt der emotionslose, kühle Ton zur landschaftlichen Umgebung, aber trotzdem konnte Rolstad mich absolut nicht abholen. An einigen Stellen wurden mir Charaktere und Orte unzureichend eingeführt und beschrieben. Ich konnte mir kaum ein Bild von der Szene machen, dabei hätte ich mir das so sehr gewünscht. Denn dann hätte ich eine Chance gesehen, eine Verbindung zu Lajla aufbauen und den Roadtrip mit ihr gemeinsam genießen zu können. Aber, Fehlanzeige. Spätestens als Lajla beginnt, nach 6 Monaten die Hütte in Kanada hinter sich zu lassen und durch die Gegend zu reisen, bleibe ich zurück und buche mir ein Ticket nach Hause – one way. Schade!

Ein Roadtrip nach Nirgendwo

Ich konnte mich weder mit Lajla als Charakter noch mit dem Inhalt von Wolfsinsel identifizieren. Aufgrund des monotonen Schreibstils schafft es Rolstad nicht, mich zu begeistern und in mir das Bedürfnis auszulösen, alles über ihren Roadtrip erfahren zu wollen. Ich habe das Gefühl, dass Lajla keine Entwicklung durchmacht. Die Reise, die sie physisch antritt, wird nicht zu einer Reise, die sie geistig voranbringt. Es scheint mir, als trete Lajla immerzu auf der Stelle. Lajla bleibt für mich ein farbloser Charakter, dessen Gedanken und Entscheidungen ich absolut nicht nachvollziehen konnte.

Vielen Dank an den btb Verlag für das Bereitstellen des Rezensionsexemplares.