Ohje, was war denn im Mai los? Nachdem ich den ersten Maifeiertag direkt dazu genutzt habe, ein Buch zu beenden, lies meine Lesemotivation im Anschluss daran ziemlich schnell nach. Ich habe mich unglaublich auf den Mai gefreut, immerhin erschien das neue Buch einer meiner Lieblingsautorinnen und ich hatte es vorbestellt.

Auch, wenn mir die Lektüre dieses Buches wirklich unglaublich gefallen hat, konnte es dennoch nicht wieder die Leselaune in mir wecken. Woran liegt es? Schwer zu sagen. Aber vermutlich sind zwei Faktoren dafür verantwortlich. Zum einen war der Mai bei mir privat wirklich proppenvoll, wir waren auf Geburtstagen eingeladen, hatten Freunde zu Besuch oder haben sonstige Dinge von unserer to-do-Liste gestrichen. Vermutlich hat mich auch unser frisch eingerichtetes Zocker-Paradies, von dem ich hier berichtete, ein wenig vom Lesen abgehalten. Normalerweise bin ich gar nicht so der Zocker, aber momentan bin ich ziemlich den Micro-Management-Spielen verfallen.

Zum anderen liegt es wahrscheinlich aber auch daran, dass mich den kompletten Mai hindurch ein Buch begleitet hat, an das ich hohe Erwartungen hatte, die es dann aber im Verlauf nicht erfüllen konnte. Für mich zumindest nicht. Lange habe ich überlegt, was ich tun soll. Ob ich die Lektüre pausieren oder es doch komplett abbrechen solle. Natürlich könnte ich es auch einfach weiterlesen, mich gewissermaßen durchbeißen, und das Buch abschließen. Das ist es, was ich letztendlich dann auch getan habe. Gerade gestern habe ich das Buch beendet und darüber bin ich sehr froh!

Adriana Popescu – Ein Sommer und vier Tage

Der Mai begann vielversprechend und hat mich direkt an seinem ersten Tag vollständig in Urlaubsstimmung versetzt. In letzter Zeit bin ich aus mir noch unerklärlichen Gründen total vernarrt in Romane, die in Italien oder zumindest in der Sonne oder am Strand spielen. Typische Sommerlektüren eben. Da kam Ein Sommer und vier Tage von Adriana Popescu genau richtig.  Ein Road-Trip durch Italien? Ich bin dabei!

Ich bin total begeistert von diesem Roman, die Geschichte ist wirklich herzallerliebst. Ich habe die Lektüre wirklich sehr genossen. Für mich knüpft dieser Roman in Aufmachung, Stil und Story an die ersten Romane von Popescu an und das finde ich großartig – ein popescuesker Roman! Meine vollständige Rezension findet ihr hier.

Alice Oseman – I Was Born For This

Im Anschluss daran habe ich den neuen Roman von Alice Oseman gelesen, I Was Born For This. Dies ist übrigens auch mein erstes Buch, das ich in meinem Leben vorbestellt habe. Nachdem ich bereits die ersten beiden Romane der Autorin – Solitaire & Radio Silence – regelrecht verschlungen habe, habe ich regelmäßig auf der Verlagsseite nach der Ankündigung für einen weiteren Roman von ihr gesucht. Ohne Erfolg.

Bis ich eines Tages, mehr oder weniger durch Zufall, über Osemans Twitter-Profil gestolpert bin und sie dort schrieb, wie aufgeregt sie sei, da bald ihr dritter Roman veröffentlicht würde. Moment mal, dritter Roman? Ich habe sofort das Internet durchkämmt und tatsächlich: I Was Born For This erscheint im Mai. Direkt im Anschluss habe ich mir auf dem Youtube-Kanal der Autorin sämtliche Snippets angeschaut, die mit dem Release des Buches zu tun haben – sie liest sogar die ersten beiden Kapitel ihres Buches selbst vor. Wow! Ich war begeistert und wollte das Buch sofort lesen. Zack, direkt vorbestellt!

Ich möchte an dieser Stelle noch nicht so viel verraten, denn es wird noch eine ausführliche Rezension zu diesem Buch folgen, aber vielleicht schon einmal so viel: Ich mochte dieses Buch wirklich sehr. Oseman übertrifft sich mal wieder selbst – gerade die Charaktere sind wirklich schön herausgearbeitet worden. Und auch die Geschichte als solches finde ich kreativ und gut umgesetzt. Mein Highlight im Mai!

Meine restlichen Lektüren im Mai

Ansonsten habe ich im Mai noch zwei dünne, aber nicht weniger interessante Bücher gelesen. Zum einen handelt es sich dabei um Mit Miss Marple aufs Land von Luise Berg-Ehlers. Ein wirklich wunderschönes Sachbuch aus dem Elisabeth Sandmann-Verlag (oder als Imprint bei Insel), in dem der Leser mit auf eine Reise durch englische Dörfer genommen wird und verschiedene literarisch relevante Schauplätze präsentiert bekommt, wie beispielsweise Mary Mead aus den Kriminalromanen mit Miss Marple. Es ist sehr detailliert, sehr kleinteilig erzählt, sodass man wirklich viel Wissenswertes über das englische Idyll mit Pub, Team Room, Cottage Garden, Dorfladen und Pfarrhaus erfährt. Man bekommt direkt Lust hinzufahren und die Landschaft auf eigene Faust zu erkunden.

Das andere gelesene Buch ist ein Essay von Hannah Arendt mit dem Titel Die Freiheit, frei zu sein, der in diesem Jahr erstmals veröffentlicht wurde. Er ist mit seinen 43 Seiten wirklich sehr kurz, dafür aber nicht weniger informativ. In ihm diskutiert Arendt den Wert der Freiheit. Ist mit ihr die bloße Abwesenheit von Furcht und Zwängen gemeint – also ein negativer Freiheitsbegriff –, oder meint Freiheit viel mehr, beispielsweise auch die Möglichkeit, als Einzelner an gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen zu können und damit eine politische Stimme zu haben? Für mich als kleine Arendt-Liebhaberin ist dieses dünne Büchlein wirklich ein Muss.

Mein Sorgenkind im Mai

Nanu, so schlecht war der Mai bisher doch überhaupt nicht?! Das stimmt, aber kommen wir nun zu meinem Sorgenkind im Mai. Es handelt sich um Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde. Viele werden jetzt vermutlich verwundert sein, wieso ausgerechnet dieses Buch mir solche Probleme bereitet hat. Auch ich selbst kann nicht wirklich sagen, woran es gelegen hat, es verwundert mich selbst. Aber dieses Buch hat mich tatsächlich durch den Mai und sogar durch das letzte Drittel des Aprils begleitet. Ich hatte wirklich hohe Erwartungen an das Buch, immerhin wird es in den sozialen Medien und auf anderen Blogs wirklich sehr gehyped.

Und vielleicht ist genau das das Problem. Meine Erwartungen waren unverhältnismäßig hoch, vielleicht so hoch, dass sie überhaupt nicht erfüllt werden konnten. Das zeigt mir nur einmal mehr, dass man Bücher unvoreingenommen lesen und man sich nicht von der Meinung Anderer beeinflussen lassen sollte.

Wie dem auch sei. Ich habe das Buch tatsächlich gestern Vormittag beendet, in den letzten Tagen habe ich mehr als die Hälfte des Buches gelesen, einfach weil ich beschlossen habe, es zu Ende zu lesen, es auf meinem Kopf bekommen möchte und dies bestenfalls noch im Mai. Das ist mir geglückt. Ich muss aber auch ehrlich zugeben, dass ich die letzten 100 Seiten wirklich als spannend und interessant empfunden habe. Wäre der ganze Roman so gewesen wie das letzte Fünftel, hätte ich deutlich mehr Freude bei der Lektüre gehabt.

So hat es sich für mich leider ziemlich in die Länge gezogen und ich habe gut 400 Seiten über drei Lebensgeschichten gelesen, die mich bis dahin nicht wirklich in ihren Bann ziehen konnten. Erst als die drei Lebensgeschichten miteinander verbunden werden und die Parallele zu den Bienen deutlich wurde, genoss ich die Lektüre. Ich werde in den nächsten Tagen meine Gedanken zu diesem Buch ein wenig ordnen – gerade meine Eindrücke zu den letzten 100 Seiten – und werde sie schon bald in einer Rezension veröffentlichen.

Der Mai in Zahlen

Rückblickend betrachtet war der Mai gar nicht so übel, wie zunächst angenommen. Ich habe 5 Bücher gelesen und komme damit auf insgesamt 1330 Seiten. Das sind ungewähr 43 Seiten täglich. Wow! Damit hätte ich nicht gerechnet. Umso mehr freut es mich, dass ich mein persönliches Ziel von 1000 Seiten monatlich erreicht habe – wo der Mai für mich doch gefühlt so wenige Lesestunden hatte.

Das war er, der Mai. Mit ihm geht auch der Frühling und macht Platz für den Sommer. Auch, wenn die Temperaturen in den letzten Wochen schon mehr als sommerlich sind, beginnen mit dem heutigen Tag die vermutlich 3 heißesten Monate des Jahres. Ich bin gespannt, was der Sommer lesetechnisch für mich bereithalten wird.