Durch das Lesen können wir die unterschiedlichsten Orte bereisen. Egal, ob es ein magischer Ort oder ein entlegener Landstrich ist, ob es in der Nachbarschaft, am anderen Ende der Welt oder gar auf einem anderen Planeten ist, die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Und das sogar, ohne dass wir unseren liebsten Leseort verlassen müssen. Auch müssen wir uns nicht für eine Reise entscheiden, wir können alle antreten, wenn wir das möchten.

Dieser Gedanke fasziniert mich immer wieder von Neuem. Doch konnte ich mich in der Vergangenheit oft nicht an alle bereisten Orte erinnern. Aus diesem Grund habe ich im Januar beschlossen, meine literarischen Reisen schriftlich festzuhalten und habe mir dafür einen literarischen Reisepass zugelegt.
Ich habe mir vorgenommen, alle Orte, die ich durch Bücher bereise, zu notieren und quartalsweise Updates über meine bereisten Stationen zu geben. Und da mit diesem Monat ebenfalls die ersten drei Monate des Lesejahres 2018 hinter uns liegen, möchte ich dies heute grene tun. Also, welche Stempel befinden sich bereits in meinem literarischen Reisepass?

JANUAR

Begonnen habe ich mein Lesejahr an der Seite von Ruth, Turk und Kennedy in New Haven, Connecticut. Mit Kleine große Schritte von Jodi Picoult habe ich mich direkt zu Beginn des Jahres mit einem brisanten Thema auseinandergesetzt: Alltagsrassismus gegenüber Afroamerikanern. Dafür bin ich mit Ruth quer durch New Haven gereist, wobei sich der Fokus auf das Kinderkrankenhaus und schließlich auf das Gerichtsgebäude richtete.

Im Anschluss daran habe ich gemeinsam mit Bruno und Pietro zahlreiche ausgedehnte Spaziergänge durch das Monte-Rosa-Massiv in Italien unternommen. Acht Berge von Paolo Cognetti ist ein ruhiger Roman, der in einer ruhigen Kulisse spielt. Lange Spaziergänge durch karge Landschaften, menschenleere Orte – Das war genau das, was ich nach dem Trubel und der Aufregung in Connecticut brauchte. Und doch – oder gerade wegen dieser Stille – habe ich viel nachgedacht. Über Bruno und Pietro, aber auch über mein eigenes Leben. Trotz der Melancholie, die in Cognettis Roman zum Ausdruck gebracht wird, habe ich die Beschreibungen der Landschaft sehr genossen.

Danach verließ ich wieder das Festland und reiste auf die Insel. Einen kleinen Zwischenstopp machte ich in London. Dort begleitete ich in Bis zum nächsten Sommer von Katharina Brinckmann Melanie durch ihr Jahr als Au Pair.
Im Anschluss daran stattete ich der Valerie-Lane in Oxford, England einen Besuch ab. Diesmal war ich bei Keira zu Besuch und habe mir Die Chocolaterie der Träume von Manuela Inusa einmal genauer angeschaut. Nachdem ich im November bereits in dieser berühmten Straße zu Besuch war, damals bei Laurie und ihrem Tea-Corner, wusste ich, worauf ich mich einlief. Und ich habe mich pudelwohl gefühlt.

FEBRUAR

Im Februar habe ich mich noch einmal über den großen Teich gewagt. Diesmal war New York meine Destination, denn dies ist der Ort, an dem Ruth Brooks in ihrer Kindheit lebte. Ruth kennen wir bereits aus Kleine große Schritte, aber in Das Mädchen mit den roten Schuhen von Jodi Picoult lernen wir die achtjährige Ruth kennen und begleiten sie in dem Prequel zum Roman ein kleines Stück durch ihren Alltag und erleben mit, wie sich Alltagsrassismus gegenüber Afroamerikanern in den 1980er Jahren aus der Sicht eines Kindes anfühlt.

MÄRZ

Den März startete ich fast vor der eigenen Haustür. Gemeinsam mit dem Ermittler-Duo wollte ich in Die Einsamkeit des Todes von Petra Johann herausfinden, wie und vor allem von wem der herrenlose Koffer und vor allem die Frauenleiche in einem Waldstück im Chiemgau bei München abgelegt wurde.

Im Anschluss daran ging es zu einem weiteren Kriminalfall nach Kopenhagen in Dänemark. In Krokodilwächter von Katrine Engberg begleitete ich Jeppe Kørner und Anette Werner bei den Ermittlungen um den Mordfall der Literaturstudentin Julie.

  

Und da es von Dänemark ja gar nicht so weit ist, habe ich noch einmal einen Abstecher nach England, nach Yorkshire zum Misselthwaite Manor gemacht. Nach den beiden Mordfällen in dem Krimi bzw. Thriller, konnte ich hier bei The Secret Garden von Frances Hodgson Burnett den Kopf frei bekommen. Zusammen mit Mary Lennox erkundete ich jeden Winkel des riesigen Gartens und lüftete mit ihr gemeinsam das Rätsel um den geheimen Garten.

Zuletzt habe ich mit Der Zopf von Laetita Colombani direkt drei Orte besucht, die sich quer über dem Erdball verteilen. An der Seite von Smitha war ich in Badlapur, Uttar Pradesh, Indien und habe sie bei ihrer Reise von Nordindien nach Chennai in überfüllten Bussen und Bahnen begleitet.
Guilia besuchte ich in Palermo, Sizilien, in der Perückenfabrik ihres Vaters. In Montreal, Kanada lernte ich die toughe Anwältin Sarah kennen und habe miterlebt, wie sie schwer erkrankt und die Krankheit immer mehr Besitz von ihr ergreift, bis sie schließlich ihre Arbeit nicht mehr zufriedenstellend ausüben kann.

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Alles in allem bin ich wirklich zufrieden. Bereits in den ersten drei Monaten habe ich mehr von der literarischen Welt gesehen, als ich angenommen habe. Vor allem aber ist es eine wunderschöne Erinnerung. Allein bei dem Verfassen dieses Beitrages habe ich mich wieder an Orte erinnert, die mir so gar nicht mehr in Gedächtnis waren.

Ich bin sehr gespannt, wohin es mich in den nächsten Monaten verschlagen wird. Mit dem Ende des nächsten Quartals werde ich euch wieder ein kleines Update geben, wo ich diesmal alles war.

Und nun bin ich neugierig, wohin es euch in den letzten 3 Monaten hinverschlagen hat. Welche Länder habt ihr durch Bücher in diesem Jahr schon bereist, welche Kontinente wurden erkundet und – die wohl wichtigste Frage überhaupt – wohin würdet ihr sofort wieder reisen?