Der Oktober fühlte sich für mich durch den Urlaub, die Buchmesse und allerlei privater Ereignisse unglaublich lang an, gleichzeitig hatte ich aber auch das Gefühl, kaum Lesezeit zu haben. Vermutlich hängt es ein wenig damit zusammen, dass mein Lesemonat qualitativ gesehen äußerst durchwachsen war, um es vorsichtig auszudrücken.

Begann der Oktober noch mit der Lektüre eines herzallerliebsten Kinderbuches, verabschiedete sich das Hochgefühl ziemlich schnell und die nächsten Wochen ähnelsten mehr einer Durststrecke, die ich erst so richtig mit Beginn des neuen Monats überwunden zu glauben hoffe. Insgesamt haben mich 6 Bücher durch den Oktober begleitet. In Seitenzahlen gesprochen sind dies 1125 Seiten, also durchschnittlich ungefähr 36 Seiten täglich. Für einen Monat, der in eine Leseflaute abzurutschen drohte, mehr als in Ordnung. Schauen wir uns meinen Lesemonat nun einmal genauer an!

Und Plötzlich war Frau Honig da  & Schräge Typen

Die ersten Tage des Oktobers verbrachte ich in der Vulkaneifel. Wir wollten ein wenig entspannen, in der Natur unterwegs sein, uns eine Auszeit vom Alltag gönnen. Meine Reisebegleiter waren zum einen Und plötzlich war Frau Honig da von Sabine Bohlmann, aber auch Schräge Typen von Tom Hanks hatte einen Platz im Reisegepäck. Zunächst war ich ein wenig skeptisch, ob ich für 5 Tage, also effektiv 4 Abende tatsächlich 2 Bücher mitnehmen sollte, aber diese Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus. Denn das Internet in der Unterkunft war miserabel bis gar nicht vorhanden und so konnten wir weder Netflix, Amazon Prime noch Youtube als Abendbeschäftigung heranziehen. Unter der warmen Decke, bewaffnet mit einem heißen Tee, wurde also gelesen.

Begonnen habe ich mit dem Kinderbuch um Frau Honig, da ich Lust auf eine fröhliche kleine Geschichte hatte, die glücklich macht und ich wurde nicht enttäuscht. Schon nach wenigen Seiten spürte ich ein regelrechtes Glücksgefühl in mir, einfach weil dieses Buch so niedlich ist. Allein die Aufmachung ist wunderschön – überall im Innenteil des Buches tummeln sich von Joelle Tourlonias gezeichnete Bienen.

Die Handlung erinnert mich, wenn auch nur ganz entfernt, an Mary Poppins. Frau Honig kommt als Kindermädchen zu Familie Sommerfeld und es dauert nicht lange, bis die ungewöhnlichsten Dinge passieren. Das Buch ist unglaublich liebevoll geschrieben und es passiert allerlei Zauberhaftes und Magisches. Und plötzlich war Frau Honig da hat mir unglaublich lustige, herzliche und abenteuerliche Lesestunden beschert und mir die Abende im Urlaub unwahrscheinlich versüßt.

Außerdem habe ich im Urlaub in die ersten Kurzgeschichten in Schräge Typen reingelesen. Ich schätze Tom Hanks als Schauspieler sehr, seine Filme gehören zu meinen Liebsten. Umso neugieriger war ich auf sein Debüt als Schriststeller. Kann er mich hier genauso überzeugen wie auf der Leinwand? Um es auf den Punkt zu bringen: Nein, konnte er nicht. Ich weiß nicht, was der Auslöser dafür war, aber ich war ziemlich schnell gelangweilt von seinen Kurzgeschichten und habe es im Urlaub ziemlich schnell zur Seite gelegt.

Auch zu Hause hatte ich Mühe, darin weiterzulesen. Irgendwann habe ich mich dann regelrecht dazu gezwungen, jeden Tag eine Kurzgeschichte daraus zu lesen, damit das Buch bald von meinem Nachttisch ins Bücherregal umziehen kann. Das Merkwürdige daran ist, dass ich gar nicht wirklich sagen kann, was mir an Schräge Typen nicht gefällt oder was ich mir gewünscht hätte. Hanks‘ Schreibstil ist großartig, er ist wortgewandt und weiß mit der Sprache zu spielen. Das mag ich sehr. Auch die Länge der einzelnen Kurzgeschichten ist vollkommen in Ordnung, generell finde ich immer mehr Gefallen an diesem Format.

Ich schätze, dass sie mich inhaltlich nicht überzeugen konnten. Schon kurze Zeit, nachdem ich eine Kurzgeschichte beendet habe, konnte ich nicht vielmehr über den Inhalt sagen, als dass eine Schreibmaschine darin eine Rolle spielte. Dies ist aber auch nicht weiter schwer, denn dies ist das Leitmotiv, das in jeder Erzählung wiederzufinden ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich nur wenig damit identifizieren konnte oder keine Anknüpfungspunkte finden konnte. Sicher kann ich nur sagen, dass ich keinen wirklichen Zugang zu den Kurzgeschichten in Hanks‘ Debüt finden konnte und mich das trauriger macht, als es vermutlich sollte.

Rainbow Rowell – Eleanor & Park

Als nächstes habe ich mich Eleanor & Park gewidmet, übrigens mein erstes Buch von Rainbow Rowell. Es verweilt schon sehr lange auf meinem SuB und nach einem holprigen Start in den Oktober sah ich die Zeit für ein Young Adult-Buch gekommen. Ein bisschen romance, ein wenig coming of age – das hilft doch immer aus einem Lesetief, richtig?

Tatsächlich muss ich sagen, dass ich innerhalb kürzester Zeit in diesem Buch versunken bin. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen, in jeder freien Minute habe ich nach diesem Buch begriffen. Ein gutes Zeichen. Es hat mir wirklich rundum gefallen und hat mir ein gutes Gefühl gegeben. Schon während des Lesens von Eleanor & Park war ich so froh, dass sich bereits zwei weitere Bücher von Rowell auf meinem SuB befinden – Fangirl und Attachments.

Das Ende hat mich dann aber wirklich aus den Socken gehauen. Wenn ich mit allem, wirklich mit allem gerechnet hätte, damit sicher nicht. Ich habe die letzten Seiten zweimal lesen müssen, weil ich nicht realisieren konnte, was ich da gerade gelesen habe. Steht das da wirklich? Was ist das bittte für ein Ende? Wie kann Rowell den Leser so zurücklassen? Ich bin maximal begeistert und freue mich schon auf ihr nächstes Buch. Schreibt mir gerne in die Kommentare, welches ich als nächstes lesen soll: Fangirl oder Attachments.

Laura Knowles / Chris Madden – Unser Weg, so weit..

Während ich in Eleanor & Park versunken war, erreichte mich ein wahres Schmuckstück. Die Rede ist von Unser Weg, so weit.. von Laura Knowles und Chris Madden. Insgesamt 25 verschiedene Tierwanderungen gibt es in diesem Buch in kleinen Porträts zu entdecken. Dabei war ich bei vielen Porträts erstaunt, wie weit die Tiere doch wandern.

Jede Tierart stellt sich den jungen Lesern vor und erklärt, aus welchem Grund sie wandern – ob sie auf Nahrungssuche sind, einen geeigneten Platz zur Paarung suchen oder einen ganz anderen Grund dafür haben. Es ist kein typisches Sachbuch, man bekommt keine nüchternen Fakten präsentiert. Vielmehr wird zu jeder Tierart eine kleine Geschichte auf einer Doppelseite erzählt, die wunderbar unterhaltsam und dennoch informativ ist.

Wer mehr über dieses bezaubernde Kinderbuch erfahren möchte, findet hier meine Rezension.

Nicholas Gannon – Die höchst wundersame Reise zum Ende der Welt

Zu meiner nächsten Lektüre kann und möchte ich gar nicht so viele Worte verlieren, weil ich sie a) sehr ermüdend und langatmig finde und b) einfach nichts passiert. Es geht um Archer Helmsley, Enkel eines berühmten Forscherpaares, der seine Großeltern aber nie kennenlernt. Stattdessen wird er von seinen Eltern im Haus regelrecht eingesperrt, sie erlauben ihm nicht, nach draußen zu gehen und mit Freunden zu spielen. So werden all die ausgestopften Tiere, die überall im Haus verteilt sind, seine einzigen Freunde, mit denen er auch spricht.

Nur um zur Schule zu gehen, darf er das Haus verlassen. Dort freundet er sich mit zwei Nachbarskindern an, mit denen er sich fortan heimlich trifft. Gemeinsam möchten sie gen Südpol aufbrechen, um Archers Großeltern zu retten.

Was hier recht abenteuerlich daherkommt, ist in Wirklichkeit furchtbar langatmig und völlig ereignislos. Ich hatte das ganze Buch hindurch das Gefühl, als passiere einfach nichts. Und mit nichts meine ich vollkommen gar nichts. Archer spricht immerzu mit den ausgestopften Tieren, was ich in Kombination mit den Zeichnungen, die in diesem Buch zahlreich vertreten sind, ein wenig bizarr, ja schon ein wenig gruselig finde. Ich weiß nicht wieso, aber diese Geschichte löst Unbehagen in mir aus.

Erst auf den letzten Seiten nimmt die Handlung ein wenig an Fahrt auf. Das ist auch der Grund, weshalb ich im Anschluss direkt den zweiten Band begonnen habe. Ich hoffte, dass nach 300 Seiten Vorgeschichte die eigentliche Story endlich ein wenig an Bedeutung gewinnt, aber Fehlanzeige. Ich habe ungefähr 1/3 des Folgebandes gelesen und es ist schon wieder so schrecklich langatmig. Ich schätze, die Reihe um Archer Helmsley und ich werden keine Freunde mehr werden – Die Suche nach seinen Großeltern wird ohne mich weitergehen.


Luise Berg-Ehlers – Berühmte Kinderbuchautorinnen

Und dann, ganz unscheinbar, hält der letzte Oktobertag noch ein Highlight für mich bereit. Eigentlich wollte ich nur kurz in Berühmte Kinderbuchautorinnen von Luise Berg-Ehlers reinlesen, doch dann konnte ich mich schlichtweg nicht mehr davon losreißen. Es ist ein wunderschön mit Liebe zum Detail aufbereitetes Buch, das in 27 Porträts dem Leser zahlreiche Informationen zu den Autorinnen berühmter Kinderbücher an die Hand gibt.

In meinen Augen ist dieses Buch ein absolutes Must-Read für all diejenigen, die sich mit Kinderliteratur beschäftigen und mehr über die Frauen erfahren wollen, die uns mit ihren einzigartigen Geschichten zahlreiche schöne Kindheitserinnerungen geschenkt haben.

Meine ausführliche Buchbesprechung zu diesem Schmuckstück findet ihr hier!


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