Ich bin ein großer Fan von Kriminalromanen und Thrillern. Die Schwierigkeit liegt meiner Meinung nach bei diesen Genres darin, dass die Geschichte den Leser fesseln muss – und das bereits schon nach wenigen Seiten. Denn es gibt kaum etwas Ernüchternderes, als Krimis und Thriller, die sich endlos in die Länge ziehen und in denen letztendlich nichts passiert.

Wenn ich mit einem Krimi oder Thriller beginne, erwarte ich Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Ich möchte das Buch nur schwer aus der Hand legen können. Ich möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht und vor allem, wer der Mörder ist. Bestenfalls fühle ich mich durch das Lesen selbst an den Schauplatz versetzt, fiebere regelrecht mit und ich trete den Wettlauf gegen die Zeit gemeinsam mit den Protagonisten an.

Den Kriminalroman Die Einsamkeit des Todes von Petra Johann habe ich bereits vergangenen Herbst entdeckt, als ich durch die Verlagsvorschauen blätterte. Der Klappentext hat mich direkt angesprochen, erinnert er mich sowohl ein wenig an Gone Girl von Gillian Flynn, als auch an Stirb ewig von Peter James. Gerade letzteren Thriller habe ich vor bestimmt gut zehn Jahren gelesen und habe ihn noch so lebhaft vor meinem inneren Auge, einfach weil er so unfassbar gut war. Ich war also maximal gespannt und hatte hohe Erwartungen an Die Einsamkeit des Todes.

Der Roman beginnt auf einer Hochzeit, bei der Max erfährt, dass Sarah, seine Verlobte, eine Affäre mit seinem Bruder Tobias hat. Er ist so schockiert von dieser Tatsache, dass er Sarah kurzerhand noch in dieser Nacht mit ihrem Koffer vor die Tür setzt. Bis zu diesem Punkt klingt es nach einem klassischen Beziehungsstreit, nichts allzu Ungewöhnliches.

Doch was ist, wenn man zwei Jahre nach diesem Ereignis anonyme Nachrichten erhält, die besagen, dass man Sarah in jener Nacht getötet habe. Und tatsächlich – Seit der Hochzeit ist Sarah verschwunden. Nur kurze Zeit nach diesen mysteriösen Botschaften wird der Koffer gefunden, mit dem Sarah vor zwei Jahren von Max vor die Tür gesetzt wurde. Verlassen, in einem Waldstück unweit von Max‘ Wohnung. Und dann taucht in diesem Waldstück auch noch eine Frauenleiche auf.

Das ist die Ausgangssituation, aus der sich alles Weitere ergeben wird. Auch, wenn dieser Aufhänger Spannung suggeriert, ist der Beginn des Romans ruhig. Auf 40 Seiten wird die Vorgeschichte erzählt. Für meinen Geschmack hätte dieser Abschnitt deutlich kürzer ausfallen können, aber Johanns flüssigem und klaren Schreibstil ist es zu verdanken, dass diese Passage wie im Fluge vergangen ist.

Die Grundidee des Kriminalromans finde ich sehr gelungen, meiner Meinung nach hat diese Story sehr viel Potential. Doch leider muss ich dieser Aussage direkt ein Aber hinzufügen.

Nach der Eröffnungsszene wurden die restlichen Charaktere eingeführt, die für den weiteren Verlauf der Handlung relevant sind. Generell kann ich Romanen (und auch Filmen) nur schwer folgen, sobald viele Charaktere auftreten. Das ist aber natürlich nicht die Schuld des Romans. Deswegen habe ich den folgenden Kapiteln meine volle Aufmerksamkeit geschenkt und hoch konzentriert gelesen.
Und dennoch muss ich gestehen, dass mich die zahlreichen Namen und die teils wirren Beziehungsgeflechte ganz schön herausgefordert haben. An einigen Stellen musste ich stoppen und zurückblättern, um noch einmal nachzulesen, welcher Name zu welchem Charakter gehört. Dies erging mir gerade bei den Freundinnen des Opfers so. Manchmal konnte ich nicht klar sagen, ob dies nun die Freundin aus London oder doch die aus München war.

Natürlich ist es mein persönliches Defizit, wenn man das so nennen möchte, aber ich bin davon überzeugt, dass es mir leichter gefallen wäre, einerseits die Namen mit Charakteren zu verknüpfen und diese wiederum in der Handlung als solches korrekt zu verorten, wenn die Charaktere prägnanter skizziert worden wären. Viele der Personen bleiben für mich eher schwammig. Aufgrund der – meiner Meinung nach – teilweise unzureichenden Beschreibungen konnte ich mir kein richtiges Bild von ihnen machen. Das Identifikationspotential fehlte für mich ein wenig. Und damit meine ich nicht, dass ich mich in die Person hätte hineinversetzen können müssen, sondern vielmehr, dass ich den Charakter nicht greifen konnte, weil in meinem Kopf kein Bild zu ihm entstand.

Außerdem waren die Kapitel für meinen Geschmack ein wenig zu lang. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich für Kapitel mit einer Länge von fünf Seiten plädiere, das wäre Blödsinn. Aber eine Kapitellänge von ungefähr 20 Seiten finde ich bei einen Kriminalroman angenehm. Gerade, wenn man Spannung erzeugen möchte, finde ich kurze (kürzere) Kapitel ein geeignetes Mittel dafür.
Teilweise haben die Kapitel in Die Einsamkeit des Todes aber eine Länge von 40 Seiten. So konnte ich nicht „einfach mal so“ ein paar Seiten in dem Roman lesen, dann dafür sind die Abschnitte schlicht zu lang. Andererseits hat es mich dann aber auch nicht so sehr gefesselt, als dass ich mir unbedingt die Zeit nehmen wollte, ein komplettes Kapitel zu lesen.

Für meinen Geschmack kam an keiner Stelle des Romans eine Spannung auf, die sich über einen längeren Zeitraum gehalten hätte. Es sind ausschließlich kleine Abschnitte enthalten, die kurzzeitig die Spannung heben, dann jedoch schnell wieder abebben. Das ist sehr schade, denn so habe ich das Gefühl, dass die Geschichte einfach so vor sich hinplätschert und ich zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte so wirklich erfahren wollte, wer denn nun der Mörder ist und wie die Geschichte endet.

Dies ändert sich gegen Ende des Buches ein wenig, denn hier hat der Roman noch einmal ein wenig an Fahrt aufgenommen. Doch auch leider diesmal nicht so sehr, als dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte bzw. konnte. Vielmehr ist das meinerseits dann doch zügige Beenden des Romans allein darauf zurückzuführen, dass ich nun endlich den Roman beenden wollte. Denn manche Passagen haben sich für mich wirklich sehr gezogen und ich hatte das starke Bedürfnis nach einem Glücksgefühl, das ich mit diesem Roman verbinden kann.

SCHLUSSBETRACHTUNG

Alles in allem hatte ich hohe Erwartungen an den Roman, die durch den Klappentext hervorgerufen, schlussendlich im Roman aber nicht erfüllt werden konnten.

Ich hätte mir differenzierter ausgearbeitete Charaktere gewünscht, mit denen ich mich besser identifizieren kann, die ich leichter in der Handlung hätte positionieren können. Außerdem fehlte mir in diesem Roman der Page Turner-Effekt, der Moment, in dem der Roman quasi mit deiner Hand verschmilzt, weil du es nicht mehr aus der Hand legen kannst, bevor du nicht weißt, wie es endet. Kurz: Es plätscherte mir zu viel vor sich hin, es fehlte mir schlichtweg die Spannung.

Ich möchte betonen, dass dies subjektive Eindrücke sind und ich mir darüber im Klaren bin, dass ich einen Kriminalroman und keinen Thriller gelesen habe. Und auch, wenn er meine Erwartungen nicht vollends erfüllen konnte, bin ich mir sicher, dass er vielen Krimifans gefallen wird. Denn die Grundidee des Romans hat Potential und ist meiner Meinung nach schön ausgearbeitet worden. Allein meine Unfähigkeit, die – für meine Verhältnisse – vielen Charakteren oft korrekt zu verorten, hat mir vermutlich ein wenig den Lesespaß genommen.

ECKDATEN & WEITERE INFORMATIONEN

Titel: Die Einsamkeit des Todes | Autor: Petra Johann | Verlag: Blanvalet | Seitenzahl: 512 | Taschenbuch, Broschur | ET: 16.10.2017 | ISBN: 978-3-7341-0204-2 |

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