Puh, meine Gedanken für dieses Buch in Worte zu fassen wird gar nicht so leicht werden. Wer mir in den sozialen Medien folgt oder meinen Monatsrückblick vom Mai gelesen hat, wird bemerkt haben, dass ich mit Die Geschichte der Bienen ein wenig meine Probleme hatte. Viele werden jetzt vermutlich verwundert sein, wieso ausgerechnet dieses Buch mir solche Probleme bereitet hat.
Auch ich selbst kann nicht wirklich sagen, woran es gelegen hat, es verwundert mich selbst. Aber dieses Buch hat mich tatsächlich durch den Mai und sogar durch das letzte Drittel des Aprils begleitet. Ich hatte wirklich hohe Erwartungen an das Buch, immerhin wird es in den sozialen Medien und auf anderen Blogs wirklich sehr gehyped.

Und vielleicht ist genau das das Problem. Meine Erwartungen waren unverhältnismäßig hoch, vielleicht so hoch, dass sie überhaupt nicht erfüllt werden konnten. Ein weiterer Beweis dafür, dass man Bücher unvoreingenommen lesen und sich nicht von der Meinung Anderer beeinflussen lassen sollte. Ein kleiner Reminder für die Zukunft.

Drei Protagonisten, drei Geschichten – Doch wo ist die Biene?

Der Roman wird aus drei unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Da wäre zum einen William, Biologe und Samenhändler, den wir im Jahr 1852 in England treffen. George wird in Ohio, USA und im Jahr 2007 verortet. Er ist Imker. Dann gibt es noch Tao, eine Arbeiterin, die in China Bäume von Hand bestäubt, denn im Jahr 2098 gibt es keine Bienen mehr, die diese Arbeit erledigen.

Die Kapitel springen zwischen den Drei hin und her, sodass man im Verlauf des Buches immer mehr über die drei Protagonisten erfährt. Ich finde diese Erzähltechnik interessant, konnte sie mich bei Colombanis Der Zopf wirklich überzeugen. Doch hier hatte ich wirklich meine Mühe. Für mich haben sich die Kapitel einfach unendlich in die Länge gezogen, denn – um es auf den Punkt zu bringen – die drei Lebensgeschichten haben mich einfach unfassbar gelangweilt. Denn es passiert einfach nichts. Und überhaupt – Wo sind eigentlich die Bienen?

William, George, Tao

Die Kapitel über William zu lesen war für mich die größte Herausforderung, denn ich habe absolut nicht verstanden, was sein Problem ist. Er ist ein außerordentlicher Griesgram, der in meinen Augen einfach nur Aufmerksamkeit und vielleicht ein wenig Mitleid sucht, indem er sich als gebeutelten Mann darstellt. Ich habe bis jetzt noch nicht verstanden, wieso er so lange das Bett nicht verlassen hat. Was war der Auslöser? Sorry, ich verstehe es nicht.

George war mir noch der Angenehmste der drei Protagonisten. Auch, wenn ich ihn selbst nicht als sonderlich sympathisch begriffen habe, so konnte ich seine Einstellung und sein Handeln nachvollziehen. Letztendlich hat er ja auch recht behalten mit seiner Annahme. Auch hat es mir gefallen, wie der Konflikt zwischen ihm und seinem Sohn dargestellt wurde. Das wirkte authentisch.

Jedes Mal, wenn das nächste Kapitel die Überschrift „Tao“ trug, war ich schon ein klein wenig genervt und überlegte, ob ich weiterlesen oder das Buch aus der Hand legen möchte. Tao lebt in einer Welt, in der jeder Handgriff sitzen muss, wo Effizienz, Leistung und Genauigkeit großgeschrieben wird. Und dann bekommt man als Leser Tao präsentiert. Für mich handelte sie oft unüberlegt und unreflektiert. Natürlich muss nicht jeder in dieser Gesellschaft diesem Ideal entsprechen, für die Protagonistin dieses Romans, als Musterbeispiel sozusagen, hätte ich mir dies jedoch gewünscht.

Und die Bienen?

Genau, das ist die große Preisfrage. In diesen über 500 Seiten geht es erschreckend wenig um Bienen. Etikettenschwindel? Nicht ganz. Denn die drei Lebensgeschichten sind miteinander verbunden und im Verlauf der Lektüre werden Brücken zwischen den Jahrhunderten geschlagen und ein roter Faden wird erkennbar. Und auch, wenn die Lebensgeschichten von William, George und Tao auf gewisse Weise durch die Biene verbunden wird, hat das mit der Geschichte der Bienen für mich furchtbar wenig zu tun.

Ich habe lange überlegt, ob ich die Lektüre abbreche, mehr als einmal wollte ich das Buch aus der Hand legen. Doch irgendwie habe ich mich durch die Seiten gekämpft und muss sagen, dass es sich irgendwie gelohnt hat. Denn ungefähr die letzten 100 Seiten des Romans haben mir gefallen. Denn hier kommen die Bienen ins Spiel. Zumindest ein bisschen.

Erst, nachdem Tao in der Bibliothek recherchiert und jede Information über die Bienen förmlich wie ein Schwamm aufsaugt und dem Leser dann lehrbuchartig herunterpredigt, passiert das, was ich von diesem Roman erwartet habe. Auch, wenn die Informationen ein wenig trocken präsentiert wurden, so war sie, zumindest kurz, da – die Geschichte der Bienen. Ich wollte nicht über drei, in meinen Augen völlig uninteressante, Lebensgeschichten lesen, die irgendwie ganz entfernt über „die Biene“ miteinander verbunden sind.

Schlussbetrachtung

Ich habe gehofft, dass in diesem Roman mehr Gesellschaftskritik zur Sprache kommt, dass viel mehr darauf eingegangen wird, wie dramatisch das Bienensterben für die Gesellschaft ist. Den Leser wachrütteln und nicht einschläfern.

Ich mag Lundes Schreibstil und auch die gewählte Erzähltechnik – drei Lebensgeschichten abwechselnd erzählen und am Ende zusammenführen – finde ich interessant und klug gewählt. Das kann großartig werden. Aber dann hat sich Die Geschichte der Bienen unendlich in die Länge gezogen und ich habe viele hunderte Seiten über ermüdende Lebensgeschichten gelesen und entsetzlich wenig über Bienen.

Eckdaten & weitere Informationen

Titel: Die Geschichte der Bienen | Autor: Maja Lunde | Übersetzer: Ursel Allenstein | Verlag: btb | Gebundenes Buch mit Schutzumschlag | Seitenzahl: 512 | ET: 20.03.2017 | ISBN: 978-3-442-75684-1