Ich war endlich wieder im hohen Norden zu Besuch – zumindest literarisch! Genauer gesagt in Kopenhagen bei Anette und Jeppe und habe mich mit ihnen in die Ermittlungen im Mordfall Bartholdy gestürzt. Es ist bereits der zweite Fall für das Ermittlerduo und ich freue mich sehr, denn bereits Krokodilwächter hat mir sehr gut gefallen. Schauen wir nun also einmal, was Blutmond zu bieten hat. Ist die Fortsetzung gelungen?

Blutmond – Ein Kopenhagen-Thriller

Nach seinem letzten Fall hat sich Jeppe eine längere Auszeit genommen und ist nach Australien gereist. Dort konnte er endlich ein wenig zur Ruhe kommen, Geschehens verarbeiten und kehrt nun gut erholt nach Kopenhagen zurück. Es ist Anfang Januar, es ist kalt und es liegt Schnee: Alles in allem ein friedlicher Jahresbeginn in Dänemarks Hauptstadt.

Doch der Schein trügt. Kurz nach Jeppes Rückkehr entdeckt die Kopenhagener Polizei im Ørstedpark die Leiche eines Mannes. Sie geht zunächst von einem Obdachlosen aus, der der Kälte zum Opfer gefallen ist. Doch nachdem die Leiche identifiziert wurde, stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um Alpha Bartholdy handelt, einem weltberühmten Modezaren, der – so viel kann ich verraten – an den Folgen eines Säureangriffs gestorben ist.

Jeppe und Anette nehmen die Ermittlungen auf und bereits nach den ersten Kapiteln weiß ich, dass mich Blutmond fabelhaft und vielleicht sogar noch ein wenig besser als Krokodilwächter unterhalten wird, denn Engbergs Schreibstil ist wieder einmal erstklassig. Ebenso wie sein Vorgänger, ist Blutmond unglaublich spannend und fesselnd. Ich mag es unwahrscheinlich gerne, wie Engberg es schafft, mich zum miträtseln zu animieren. Jeppe und Anette gehen zahlreichen Spuren nach und ermitteln in alle Richtungen. Dennoch wirkt alles absolut stimmig und überhaupt nicht konstruiert. Das ist wirklich toll.

Einzigartige Schauplätze

Außerdem mag ich die ausgefallenen Settings sehr gerne. Haben wir bei Krokodilwächter eine Rallye quer durch die Straßen Kopenhagens unternommen und haben uns irgendwann über dem imposanten Kronleuchter in Kopenhagens Oper wiedergefunden, unternehmen wir in Blutmond eher eine Reise durch die Modewelt. Es ist Fashion Week in Kopenhagen und Alpha Bartholdy ist ein weltberühmter, glamouröser und einflussreicher Modezar. Kein Wunder, dass man da nicht nur Freunde hat. Doch wer würde so weit gehen und würde Bartholdy vergiften?

Wenn ihr jetzt sagt: „Puh, Mode ist aber überhaupt nicht meine Welt!“, kann ich euch beruhigen: Das muss es überhaupt nicht. Ich selbst interessiere mich eher weniger dafür, hatte bei der Lektüre von Blutmond aber trotzdem meinen Spaß. Ich bin der Meinung, dass es nicht wichtig ist, ob man sich vollkommen mit dem Szenario identifizieren kann, sondern vielmehr, wie lebendig, ansprechend und mitreißend Schauplätze und Charaktere dargestellt werden. Und das kann Engberg wirklich ausgesprochen gut. Schon Krokodilwächter löste in mir den Wunsch nach einem Trip in Dänemarks Hauptstadt aus. Doch nach Blutmond ist meine Sehnsucht ins Unermessliche gestiegen. Engberg ist in Kopenhagen zu Hause, es ist ihre Herzensstadt und das spürt man als Leser in jeder einzelnen Zeile.

Jeppe und Anette

Darüber hinaus hat mir die Entwicklung von Jeppe und Anette gefallen. Ich nenne es ganz bewusst Entwicklung, denn ich habe das Gefühl, dass die Beziehung der beiden Ermittler ein wenig enger, vertrauter wurde. Es geschieht ganz beiläufig, zwischen den Zeilen und dennoch ist es da. Die lebendigen Dialoge zwischen den Beiden sind für mich ein Indiz dafür und ich bin sehr gespannt, wie es in den nächsten Bänden mit den beiden weitergehen wird. Ich mag sowohl Anette als auch Jeppe sehr und wünsche ihnen beiden nur das Beste.

Liebste Thriller-Reihe aus Skandinavien

Die Kopenhagen-Reihe mit Jeppe und Anette könnte zu meiner liebsten Thriller-Reihe aus Skandinavien werden. Ich finde beide bisher auf deutsch erschienenen Bücher unglaublich spannend und stilistisch erstklassig. Schon viele Jahre möchte ich nach Kopenhagen reisen, doch die Bücher von Engberg haben den Wunsch danach wirklich akut werden lassen. In jeder Zeile spürt man Engbergs Begeisterung für diese Stadt und es ist unglaublich ansteckend.

Außerdem zieht sich ein roter Faden durch Engbergs Romane, alle Spuren führen schlussendlich zu einem klugen, nicht konstruiert wirkenden Ende. Ich mag die Ermittler, die übrigen Figuren und vor allem die Schauplätze. Blutmond kommt mit äußert wenig Brutalität aus, die Spannung wird durch den mitreißenden Schreibstil Engbergs hervorgerufen. Das macht für mich einen guten Thriller aus. Ich kann es kaum erwarten, bis die nächsten Bände übersetzt werden.


Vielen Dank an Diogenes für das Bereitstellen eines Rezensionsexemplares.