Heute steht eine ganz besondere Buchbesprechung ins Haus, ich habe nämlich mein erstes Buch einer Selfpublisherin gelesen. Den Debütroman von Katharina Brinckmann Bis zum nächsten Sommer habe ich bereits seit einiger Zeit bei mir liegen und habe ihn nun endlich bezwungen.

Ich schätze, dass ist die richtige Wortwahl, denn dieser Roman ist wirklich ein dicker Wälzer. Als ich das Paket öffnete, war ich überwältigt. Ich rechnete mit einem Buch von schätzungsweise 300 – 350 Seiten, denn bei diesem Roman handelt es sich um eine Liebesgeschichte, nämlich jene zwischen Melanie und George. Und bisher hatten Liebesromane für mich immer eine gesunde Länge von maximal 400 Seiten. Vielleicht bin ich da auch ein wenig zu engstirnig, aber der Roman überraschte mich mit knapp 700 Seiten. Grundsätzlich ist das nichts Schlechtes, erklärt aber vielleicht, wieso die Lektüre des Romans einige Zeit in Anspruch nahm.

Worum geht es? – Klappentext

London 1985: Melanie, 19 Jahre jung, wird von ihren Eltern nach England geschickt. Kaum dort angekommen, läuft sie dem attraktiven Geschäftsmann George Duncan vor das Auto. Eigentlich möchte Sie diesen Zwischenfall so schnell wie möglich wieder vergessen, denn er hat sich ihr gegenüber nicht gerade freundlich verhalten. Aber nicht nur der Linksverkehr und das gesellschaftliche Leben des beschaulichen Ortes Middlefield sind völlig neu für Melanie. Hier schließt sie neue Freundschaften und trifft auch einen Mann wieder, dem sie bereits begegnet ist. Denn als George einige Zeit später wieder vor ihr steht, dreht sich Melanies Welt plötzlich ganz anders. (Quelle: buecher.de)

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MEINE LESEEINDRÜCKE

Nachdem ich den Klappentext des Romans gelesen habe, wurde ich neugierig, versprach er doch eine etwas andere Liebesgeschichte als das gewöhnliche Gefühls-Einerlei. Und, ohne zuviel vorweg nehmen zu wollen, dieser Roman ist wahrlich in  vielen Gesichtspunkten anders als übliche Liebesromane.

Angefangen bei der bereits angesprochenen Länge des Romans, die für mich bei Liebesromanen eher unüblich ist. Auch vor dem Hintergrund, dass es noch eine Fortsetzung der Geschichte gibt, die ungefähr die gleiche Seitenzahl aufweist. Man kann erkennen, dass diese Geschichte – niedergeschrieben in diesen beiden Büchern – eine Herzensangelegenheit der Autorin ist, erweckt es doch den Eindruck, als habe sie sich alles von der Seele geschrieben.

Der Einstieg in die Lektüre gelang mir problemlos, ich habe direkt meinen eigenen Koffer gepackt und bin mit Melanie nach England gereist, um dort mit ihr gemeinsam ihr Jahr als Au Pair zu erleben. Die Idee hinter der Story finde ich schön, erinnert sie doch ein wenig an eine coming-of-age-Thematik, gepaart mit einer Liebesgeschichte, die fernab der Heimat spielt. Gewissermaßen eine doppelte Entdeckungsreise.

In England angekommen nimmt die Geschichte direkt an Fahrt auf. Es dauert nicht lange, bis man als Leser merkt, wohin die Reise buchstäblich gehen soll. An dieser Stelle hätte ich mir tatsächlich gewünscht, dass eine kleine Entwicklung stattfindet, man mit Melanie gemeinsam in England ankommt, sich erst einmal in den Alltag eines Au Pairs einfindet und in der Fremde ankommt. Sich gewissermaßen erst einmal aklimatisiert.

Melanie lernt bereits nach wenigen Tagen in England den Mann kennen, der ihr Schicksal werden und die Handlung des restlichen Romans bestimmen wird, George Duncan. Der Klappentext spricht von einem galanten, lebenserfahrenen und einfühlsamen Geschäftsmann, der einige Jahre älter ist als Melanie. Über diese Beschreibung bin ich während der Lektüre des Romans noch einige Male gestolpert.

Lebenserfahren ist George gewiss, ist er doch wirklich einige Jahre älter als Melanie. Bevor ich erfuhr, wie alt George tatsächlich ist, rechnete ich mit einem Altersunterschied von vielleicht zehn Jahren, ja vielleicht noch ein, zwei Jahre mehr. Aber vor dem Hintergrund, dass Melanie 19 Jahre und George sage und schreibe 48 ist, kann man meiner Auffassung nach nicht mehr von einigen Jahren sprechen.

Das änderte für mich irgendwie alles. Ich habe den Roman ab diesem Zeitpunkt mit ganz anderen Augen gelesen. Und auch nach der Lektüre war mir nicht klar, wieso Brinckmann den Altersunterschied der beiden so derart groß angesetzt hat. George hätte auch mit Mitte bis Ende dreißig lebenserfahren wirken und einen attraktiven Geschäftsmann abgeben können. Auch hätte es der Geschichte als Solche nicht geschadet, wäre Melanie wenige Jahre älter. Ganz im Gegenteil, es hätte mir persönlich ein besseres Gefühl vermittelt, wäre Melanie 21 Jahre – gerade vor dem Hintergrund, dass der Roman in England spielt.

Auch mit der Beschreibung einfühlsam gehe ich nicht d’accord. Obwohl ich diese Charakterbeschreibung gar nicht störend empfinde. Denn ich bin mir sicher, dass Melanie in ihrer Naivität George eben genau so sieht, als gefühlvollen, attraktiven Mann, der sie verehrt. Und daran ist erst einmal nichts Falsches.

Betrachte ich beide Protagonisten in diesem Roman, finde ich George in seiner Charakterbeschreibung gelungen, für meinen Geschmack hätte seine berechnende Art noch deutlicher zutage treten können. Auch Melanie ist gut getroffen. Bis auf wenige Ausnahmen, spürt man auf jeder Seite ihre kindliche Naivität, ihre Unerfahrenheit. Die

Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass George im Roman öfter zu Wort kommt. Auch, wenn der Roman aus Melanies Sicht geschrieben ist, sind einige Einschübe enthalten, wo wir einen kurzen Einlick in Georges Gedanken und Gefühlswelt bekommen. Ich hätte mir gewünscht, dass dies anders und zum Vorteil von George konstruiert worden wäre. In meinen Augen verdient George längere Passagen, damit seine berechnende Art und seine Absichten deutlicher werden. So bleiben sie doch ein wenig schwammig.

Auf die Liebesgeschichte als solche möchte ich gar nicht näher eingehen. Da soll sich jeder Leser seine eigene Meinung bilden, inwiefern er es befürworten kann, dass Melanie zum einen mit einem Mann liiert und später verlobt ist, den sie erst wenige Tage kennt (oder zu kennen glaubt) und der älter als ihr eigener Vater ist.
Zum anderen möchte ich ebenso wenig bewerten, ob es sich bei der Beziehung der beiden um eine gesunde oder ungesunde Beziehung handelt. Ob sie zusammenleben, weil sie sich beidseitig gleichermaßen lieben oder ob es auf Georges berechnende Art und Melanies Naivität zurückzuführen ist. Ebenso möchte ich es wertfrei lassen, inwiefern Melanie unterwürfig und George gegenüber gewissermaßen hörig ist.

SCHLUSSBETRACHTUNG

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bis zum nächsten Sommer klar von Brinckmanns flüssigem und bildhaften Schreibstil profitiert. Ich war bereits nach wenigen Seiten voll in der Geschichte. Die Idee hinter dem Roman hat Potential, was meiner Meinung nach aber leider nicht vollends aussgeschöpft wurde.

Ich hätte mir mehr Au Pair-Leben und weniger Liebesgeschichte gewünscht. Davon hätte der Roman meiner Auffassung nach insgesamt profitieren können, denn zum einen sind die vorhandenen Passagen um Georges und Melanies Liebe langatmig und hätten problemlos gekürzt werden können, andererseits hätte das Vorhandensein von weiteren Alltagssituationen aus dem Leben als Au Pair den Roman als solches aufgelockert und insgesamt rund erscheinen lassen.

ECKDATEN & WEITERE INFORMATIONEN

Titel: Bis zum nächsten Sommer | Autor: Katharina Brinckmann | Verlag: Books on Demand | Seitenzahl: 688 | Taschenbuch | Liebesroman | ET: 03.08.2017 | ISBN: 978-3-7448-8087-9

Vielen Dank an Katharina Brinckmann für das Zusenden des Rezensionsexemplares.