Heute möchte ich euch mein Monatshighlight aus dem Juli vorstellen. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt ein Buch in einem Rutsch durchgelesen habe. Normalerweise kommt es bei mir auch nicht so häufig vor, einfach weil mir die Ausdauer dafür fehlt. Aber bei Tell Me Three Things war es wieder einmal soweit.

Abends habe ich das erste Kapitel gelesen, einfach mal um zu schauen, wie der Stil des Buches ist, worum es geht, ob ich es als Nächstes lesen möchte. Das erste Kapitel war beendet, es war weit nach meiner üblichen Schlafenszeit, ich konnte meine Augen nur noch schwerlich geöffnet halten – aber ich wollte weiterlesen. Vernünftigerweise habe ich die Lektüre aber auf den nächsten Tag verschoben, ausgeruht liest es sich einfach besser.

Am nächsten Morgen bin ich regelrecht in  diesem Buch versunken und am Nachmittag klappte ich das Buch mit der letzten Seite zu, 400 Seiten in einem Rutsch gelesen – oder soll ich besser sagen: weggeatmet? Ich bin absolut begeistert von diesem Buch! Schauen wir uns das Buch nun einmal etwas genauer an.

Erzähl mir drei Dinge, die ich nicht von dir weiß

Jessie hat es nicht leicht. Nach dem Tod ihrer Mutter, heiratet ihr Vater überraschend wieder. So muss Jessie ihre Koffer packen, ihre Heimat und ihre Freunde zurückzulassen und in einer fremden Umgebung Fuß fassen – inklusive der neuen Frau ihres Vaters und dem nervendem Halbbruder. Auch auf der neuen Schule fühlt sie sich nicht wohl.

Da trifft wie aus dem Nichts eine E-Mail in ihrem Postfach ein – Absender: Somebody / Nobody. Der Inhalt: Ratschläge, wie sie den Schulalltag an der neuen Highschool bewältigen kann. Auch, wenn Jessie nicht weiß, wer hinter der anonymen E-Mail steckt, ist sie neugierig und antwortet auf die Nachricht, ohne zu wissen, dass sie damit etwas ganz Großes ins Rollen bringt.

Zugegeben, das klingt alles sehr vorhersehbar und so, als ob man es schon tausende Male in anderen Büchern gelesen hätte. Aber ich kann euch versichern, dass hinter der vermeintlich leichten Lektüre mit College-Flair viel mehr steckt, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Neben der klassischen Highschool-Liebesgeschichte bekommt man eine ernste Hintergrund-Story geliefert, die gespickt ist mit allerlei humorvollen Situationen. Klingt perfekt, oder?

Vielschichtige Charaktere

Jessie habe ich von der ersten Seite an ins Herz geschlossen. Dafür, dass Jessie von ihrem Vater vor vollendete Tatsachen gestellt wird, ihre Freunde und ihr vertrautes Umfeld von dem einen auf den anderen Tag vollständig hinter sich lassen und sich ab sofort im Schoße der neuen Familie heimisch fühlen soll, meistert sie die Situation wirklich hervorragend. Für mich wirkt Jessie von der ersten bis zur letzten Seite authentisch.

Außerdem mag ich es, dass sie zwar als tougher Charakter dargestellt wird, der in die Zukunft schaut und daran glaubt, dass alles gut wird. Aber auch die Szene, in der sie noch einmal in ihre alte Heimat, in ihr altes Leben zurückkehrt und ihre beste Freundin besucht, finde ich immens wichtig. Denn man kann daraus so viel deuten, diese Szene gibt der Story im Allgemeinen sehr viel.

Ernste Hintergrundthematik

An dieser Szene wird beispielsweise deutlich, was ich mit ernster Hintergrundthematik meine. Tell Me Three Things ist einfach so viel mehr als eine locker, leichte Liebesgeschichte mit Highschool-Setting. Dies bedeutet nicht, dass die Story melancholisch ist oder auf die Tränendrüse drückt, denn das tut sie gewiss nicht.

Vielmehr ist es Hoffnung, die ich beim Lesen von Tell Me Three Things verspüre. Denn ich hoffe mit Jessie, dass sie mit ihrer Vergangenheit – in jeder Hinsicht – abschließen und in ihrem „neuen Leben“, in das sie gewissermaßen hineinkatapultiert wurde, Zufriedenheit und vor allem Liebe findet. Ich hoffe, dass sie die Einsamkeit überwindet und Anschluss findet. Schon während ich diese Worte schreibe, merke ich, wie unpassend sie sind – denn sie bringen nicht im Geringsten zum Ausdruck, wie positiv dieses Buch ist, wie viel Mut es macht.

lockere, authentische Liebesgeschichte

Apropos Tell Me Three Things. Nachdem Jessie auf die erste anonyme E-Mail in ihrem Postfach geantwortet hat, entwickelt sich hieraus ein reger E-Mail-Verkehr. Schon nach kurzer Zeit beginnt die tägliche Konversation zwischen ihnen mit 3 Dingen, die sie sich gegenseitig aus ihrem Leben erzählen. Es wird zu einer Art Ritual und ich erwischte mich dabei, wie ich mich jedes Mal freute, wenn ich 3 neue Fakten lesen konnte.

Generell muss ich sagen, dass ich den Schreibstil und die Aufbereitung des Textes wirklich gelungen finde. Die E-Mail-Korrespondenz ist wirklich im E-Mail-Format abgedruckt und hebt sich damit vom übrigen Fließtext ab und das gefällt mir sehr gut. Das lockert den kompletten Roman auf und verleiht ihm eine gewisse Lockerheit.

Locker ist meiner Auffassung nach auch das richtige Adjektiv, um den Erzählstil Buxbaums zu bezeichnen. Tell Me Three Things lässt sich flüssig lesen, man fliegt nur so durch die Seiten. Auf jeder Seite wird der locker, leichte und frische Schreibstil deutlich. Den kompletten Roman hindurch musste ich regelmäßig laut lachen, einfach weil so viel Witz, so viel Schlagfertigkeit in die Dialoge eingearbeitet wurde. Wirklich großartig!

Schlussbetrachtung

Ob der Roman nun vorhersehbar war oder nicht, spielt für mich ehrlichgesagt keine große Rolle. An manchen Stellen war ich überzeugt, ich wüsste, worauf es hinausläuft und wurde dann doch wieder eines Besseren belehrt. Aber das ist gar nicht so wichtig. Ich habe die Charaktere von der ersten Seite an in mein Herz geschlossen, ich bin von Beginn an in der Story versunken, habe gemeinsam mit Jessie sehnsüchtig auf den Eingang der nächsten E-Mail gewartet, habe mich gemeinsam mit ihr durch ihren neuen Schulalltag gekämpft.

Mit Tell Me Three Things habe ich eine wunderschöne (Liebes-)Geschichte präsentiert bekommen, die mich von der ersten Seite an begeistert, überzeugt und in ihren Bann gezogen hat. Ich kann nur sagen: Lest dieses Buch! Es ist wirklich unglaublich schön. Wenn euch Briefromane und College-Setting ansprechen und ihr gerne coming of age-Romane mit kleiner Liebesgeschichte lest, dann ist dieses Buch für euch.


Vielen Dank an Bastei Lübbe für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares.