Rezension | Gekommen um zu bleiben – Madeleine Becker
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde Umzüge immer furchtbar stressig. Egal, ob von Wohnung zu Wohnung, von Wohnung in ein Haus, möbliert oder unmöbliert – es ist immer eine große Herausforderung und hat mich immer an meine Grenzen gebracht. Und ich habe immer nur mich und meinen Partner mitsamt unseren Habseligkeiten umgezogen. Madeleine Becker zieht direkt mit einem ganzen Bauernhof um. Ich kann mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie anstrengend und nervenaufreibend das gewesen sein muss. Und doch strahlt Madeleine Becker auf jedem Foto und jedem Kapitel in Gekommen, um zu bleiben: Unser Haus im Wald so viel positive Energie und Lebensfreude aus, das ist unglaublich und beeindruckt mich sehr. Schauen wir uns ihr neues Buch einmal genauer an.
Gemeinsam mit ihrem Freund Lukas hat Madeleine einen alten Hof in der Steiermark gekauft. Dort wollen sie gemeinsam mit ihren Tieren – darunter Hühner, Schwafe (so nennt Madeleine sie liebevoll), Kühe und Katzen – mitten im Wald und im Einklang mit der Natur leben. Gemeinsam renovieren sie Haus und Hof und machen es so zu einem Wohlfühlort für sich und ihre geliebten Tiere. Man bekommt in den verschiedenen Kapiteln des Buches Einblicke in ganz unterschiedliche Bereiche aus Madeleines und Lukas‘ Alltag. Man lernt die Herausforderungen des Hoflebens mit ehemaligen Nutztieren kennen, Madeleine beschreibt eindrucksvoll die Schwierigkeiten, die ein Gemüsegarten am Hang mitten im Wald mit sich bringt und aber auch, wie ehemalige Praktikanten des Hofs zu Freunden wurden, die sich inzwischen wie Familie anfühlen.

Madeleines neues Buch erreichte mich in einer Bloggerbox mit allerhand Goodies, die unglaublich liebevoll ausgewählt und zusammengestellt wurden. Neben Aufklebern und Fotos, die mir beim Lesen als Lesezeichen dienten, war noch eine Emaille-Tasse mit Kuhmotiv, einer Tafel Manner-Waffeln (ich mag den Bezug zu Österreich) und Samen von Madeleines Lieblingstomate – der roten Dattelwein im Paket. Die Tomatensamen erreichten mich genau in dieser Woche, in der ich meine eigenen Tomatensamen für das bevorstehende Gartenjahr vorgezogen habe – also wirklich der perfekte Zeitpunkt.
Neben der Zusammenstellung der Box, hat mich aber auch der Inhalt des Buches sowas von abgeholt, das kann ich gar nicht in Worte fassen. Ich glaube, das Buch hat mich genau zur richtigen Zeit erreicht, denn momentan spiegelt Gekommen, um zu bleiben genau meinen Lesegeschmack wieder. Es passt richtig gut zu meinem momentanen Interesse an Büchern rund um Natur, Landleben und dem einfachen, ruhigen Leben. Aber ich glaube, was mir besonders gut gefallen hat, ist die Zusammenstellung der Kapitel. Es ist keine zusammenhängende Geschichte, die Madeleine erzählt und doch fügt sich alles zu einem großen Ganzen zusammen. Man begleitet auf den knapp 300 Seiten das Paar über ungefähr anderthalb Jahre auf ihrem neuen Hof und doch ist es – zum Glück – kein Tagebuch. Madeleine erzählt vom nervenaufreibenden und kräftezehrenden Umzug, wie sie alles für die Ankunft der Tiere vorbereitet haben und Lukas mehrere Fahrten von Kärnten in die Steiermark unternommen hat, um die Kühe sicher und möglichst stressfrei in ihr neues Zuhause zu bringen. An was man alles denken muss. Allein, wenn ich mit unserem Hund in den Urlaub fahre, muss an so vieles gedacht werden. Aber das hier ist eine ganz andere Größenordnung – das ist einfach beeindruckend, wie die Zwei das gewuppt bekommen haben.
Neben Kapiteln aus ihrem Hofalltag, schreibt Madeleine auch über wichtige Themen wie dem Tierwohl und wie Menschen im Einklang mit (Nutz)tieren leben können. Sie erzählt eindrucksvoll aus dem Alltag auf einem Milchviehbetrieb (dem Hof von Lukas‘ Eltern, auf den sie zunächst gezogen war), gibt ein wenig Einblick hinter die Kulissen, über die ich mir ehrlicherweise noch nie zuvor Gedanken gemacht habe. Auch erzählt sie von der immer wiederkehrenden Herausforderung, die Bussarde von den Hühnern fernzuhalten. Ich glaube, wäre ich in Madeleines Situation gewesen, ich wäre gnadenlos gescheitert und hätte mich einfach nur hilflos gefühlt.
Madeleine betreibt einen erfolgreichen Instagramkanal (@frau_freudig) und ist Expertin für Öffentlichkeitsarbeit für landwirtschaftliche Betriebe und setzt sich für Tierwohl und Nachhaltigkeit ein. Sie ist ein Sprachrohr der jungen Generation und verbindet traditionelle Landwirtschaft mit moderner Kommunikation auf Social Media. Gerade in der heutigen Zeit, in der sich viele Menschen nach Entschleunigung und einem bewussteren Leben sehnen, finde ich Madeleines Arbeit auf Social Media besonders wertvoll.
Was ich aus dem Buch mitnehme: Madeleine zeigt eindrucksvoll, wie viel Mut, Kraft und Hingabe hinter dem Traum vom Leben auf dem Land stecken und das ein einfaches Leben oft alles andere als einfach ist und trotzdem aber unglaublich erfüllend sein kann.
Besonders empfehlen kann ich das Buch allen, die sich für Landleben, Selbstversorgung und ein bewusstes Leben im Einklang mit der Natur interessieren. Für mich ein absolutes Wohlfühl- und Inspirationsbuch und definitiv eines meiner Jahreshighlights.
