Ich bin großer Fan von Atkins‘ Büchern. Ich verfolge ihre Romane bereits seit ihrem Debüt Die Achse meiner Welt. Dieser Roman hat mich wirklich umgehauen. Auch die beiden Nachfolger – Die Nacht schreibt uns neu & Der Klang deines Lächelns – fande ich großartig. Doch mit Sieben Tage voller Wunder wurde ich einfach nicht warm. Atkins‘ Geschichten haben – zumindest für mich – ein wenig von ihrem Zauber verloren, so scheint es. Trotzdem habe ich mich über den neuen Roman Das Leuchten unserer Träume von Atkins gefreut und wollte ihren Romanen noch eine Chance geben.

Ich habe den Roman mehr oder weniger blind begonnen zu lesen und nur flüchtig einen Blick auf den Klappentext geworfen, einfach weil ich weiß, dass Atkins – auf eine gute Art und Weise – mit dem Leser spielt und die Klappentexte nur für Verwirrung sorgen. Man bekommt immer eine völlig andere Story präsentiert, als der Klappentext suggeriert. Das mag ich sehr gerne! Bisher hat das immer ganz wunderbar funktioniert und auch diesmal wurde ich nicht enttäsucht – zumindest nicht in dieser Hinsicht.

Das Leuchten unserer Träume

Die Story des Buches ist eigentlich schnell erzählt. Sophie ist jung, beruflich erfolgreich und eigentlich könnte es das Leben nicht besser mit ihr meinen. Aber tief in ihr trägt sie immer noch die Trauer um ihren verstorbenen Bruder mit sich. Dies lässt sie zu einem einsamen Menschen werden, denn Sophie schafft es nicht, andere Menschen – schon gar nicht potentielle Partner – in ihr Leben zu lassen. Aber keine Sorge, davon spürt man als Leser nicht viel, das Buch ist weniger melancholisch als es den Anschein erweckt. Zumindest ist das mein Eindruck.

Als eines Tages ein Feuer im Haus ausbricht und Sophie in ihrer Wohnung eingeschlossen wird und keine Fluchtmöglichkeit sieht, kommt Ben ins Spiel. Ben ist ihr Lebensretter, denn er schafft es, Sophie aus dem brennenden Haus nahezu unversehrt zu retten. Ab diesem Zeitpunkt scheinen die Leben von Ben und Sophie durch ein unsichtbares Band miteinander verbunden. Er scheint wie aus dem Nichts aufzutauchen und immer an ihrer Seite zu sein. Er scheint sympathisch und hilfsbereit – eben wie ein Fels in der Brandung. Doch wo ist der Haken? Welches dunkle Geheimnis umgibt ihn und mit welchen Dämonen wird Sophie noch zu kämpfen haben?

Stil & Aufmachung

Zugegeben, die Story klingt nach einer schnöden Liebesgeschichte mit typischem happily ever after. Doch aus der Erfahrung heraus weiß ich, dass Atkins solche Liebesromane ihren Lesern nicht präsentieren würde. Ich war also sehr gespannt und wollte herausfinden, womit Atkins den Leser, auf eine gute Art versteht sich, diesmal an der Nase herumführt. Ich freute mich schon auf das Ende, denn ihre letzten Sätze sind berühmt dafür, es in sich zu haben.

Der Einstieg in Das Leuchten unserer Träume fiel mir ausgesprochen leicht, ich fühlte mich bereits nach wenigen Seiten vollkommen in die Geschichte eingesogen. Atkins‘ Schreibstil ist wieder einmal erstklassig, der Roman lässt sich flüssig lesen und an vielen Stellen musste ich aufgrund der Wortwahl und Dialoge schmunzeln. Das schätze ich an ihren Büchern sehr. Atkins versteht ihr Handwerk!

Story & Message

Aber was ist das bitte für eine Geschichte, die hier erzählt wird? Dass sich Sophie – bis auf eine kleine Wunde am Handgelenk – völlig unbeschadet mit einem Sprung aus einem brennenden Haus retten konnte – Geschenkt. Wirklich. Ich verstehe, dass es eine fiktive Geschichte ist und eine völlig andere Story erzählen soll und das ist vollkommen in Ordnung für mich. Aber was ist das, was danach passiert?

Wieso vertraut sie Ben blind? Wieso versucht sie nicht einmal, Dinge aus seinem Leben in Erfahrung zu bringen? Wieso scheint sie sich wie ein Buch ihm gegenüber zu öffnen, stellt ihm aber keinerlei Fragen? Wieso scheint sie sich selbst völlig zu vergessen? In meinen Augen passt das nicht zu der Sophie, die am Anfang des Buches vorgestellt wird. Sie ist in sich gekehrt, versucht keine emotionale Bindung zu Menschen herzustellen und dann schreibt Atkins diese Geschichte für Sophie? Für mich passt das einfach nicht. Auch, wenn im Verlauf des Buches deutlich wird, dass Sophie Zweifel an der ganzen Sachen hat und an manchen Stellen Ben nach Ereignisse in seinem Leben und nach seiner Vergangenheit fragt, verstehe ich nicht, wieso Sophie sich mit diesen halbherzigen und vor allem ausweichenden Antworten zufrieden gibt. Das würde die „Vor dem Brand“-Sophie sicher nicht tun, geschweige denn sich nach diesen spärlichen Informationen derart emotional zu öffnen – noch dazu gegenüber einem völlig fremden Mann!

Nur, weil er als Mr. NiceGuy dargestellt wird, der aufopferungsvoll, hilfsbereit und liebevoll ist, bedeutet das nicht, dass er sich alles erlauben darf. Und nur, weil Ben sie gerettet hat, muss sie ihm nicht blind vertrauen. Punkt. Mir ist bewusst, dass Das Leuchten unserer Träume ein Liebesroman ist und innerhalb dieses Genre gerne mit diesen Stereotypen gespielt und die traditionelle Rollenverteilung gerne aufrecht erhalten wird. Jedoch hätte ich das nicht von Atkins erwartet, weil sie es bisher auch besser gemacht hat und eben nicht auf diesen Zug aufgesprungen ist. Das hat ihre Liebesromane für mich zu etwas Besonderem gemacht.

Eine Story mit Potential

Auch, wenn das jetzt ziemlich negativ erscheinen mag, hat mir das Buch gut gefallen und ich habe die Lektüre wirklich genossen. Ein entscheidender Pluspunkt ist für mich Atkins Schreibstil. Dieser ist wirklich grandios und ist auch der Grund dafür, dass ich den Roman kaum aus der Hand legen konnte. Innerhalb weniger Tage hatte ich das Buch gelesen. Gefühlt habe ich jede freie Minuten inmitten des Weihnachtsstresses genutzt, um meine Nase in Das Leuchten unserer Träume zu stecken.

Aber auch die Story an sich hat wirklich Potential, egal wie konstruiert die Ausgangssituation und zufällig das Zusammentreffen von Sophie und Ben wirkt. Ich habe schon Romane gelesen, da ist aufgrund einer Wunderkerze das gesamte Haus in die Luft geflogen und hat die Bewohner allesamt obdachlos gemacht. Dagegen klingt das hier doch realistisch, oder nicht? Außerdem ist es auch wirklich romantisch, oder? Und es hätte auch wirklich etwas werden können, hätte die Geschichte nicht diesen Verlauf genommen.

Die insgesamt ungesunde Figurenkonstellation, um es vorsichtig auszudrücken, ist es, die mir bereits während des Lesens negativ aufgefallen ist und auch jetzt noch unschön nachhallt. Und mich ehrlichgesagt auch ein klein wenig wütend macht. Es ist schade zu sehen, dass Sophie ihre starke Persönlichkeit vom Anfang nicht während des kompletten Romans beibehält und Das Leuchten unserer Träume damit zu einem generischen Liebesroman wird.


Meinen herzlichsten Dank an Knaur für das Bereitstellen dieses Rezensionsexemplares.