Als ich auf dieses Buch aufmerksam wurde, war ich instant verliebt. Das Cover ist einfach wunderschön und auch der Klappentext klingt vielversprechend. Posy Morland, die Protagonistin des Romans, hat einen Buchladen geerbt und plant nun, dort künftig ausschließlich Liebesromane zu verkaufen. Ich glaube mit der Aussage, nur Liebesromane mit Happy End verkaufen zu wollen, denn traurige Geschichten gäbe es im wahren Leben ja zur Genüge, stand mein Entschluss fest, diesen Roman lesen zu wollen. Ich erhoffte mir eine locker leichte, aber vor allem herzliche Geschichte, rund um Bücher, Buchhandlungen und die Liebe.

Schreibstil & Aufmachung

Der Schreibstil hat mir wirklich richtig gut gefallen. Man kann das Buch wirklich flüssig lesen, man fliegt schon fast durch die Seiten. Ich hatte den Roman wirklich im Nu gelesen. Der Einstieg fiel mir auch leicht, ich war eigentlich direkt in der Geschichte, fast so, als stünde ich selbst in Bookends und würde miterleben, wie über die Zukunft der Buchhandlung entschieden – oder vielmehr gestritten – wird.

Einzig die Passagen über den „Wüstling“, Posys selbstverfasster Roman, der immer mal zwischen den Kapitel eingestreut wird, war absolut nicht meins. Zunächst habe ich gar nicht verstanden, wieso das nun passiert. Was war Posys Beweggrund, diese Zeilen niederzuschreiben? Ich kann den Anlass einfach nicht nachvollziehen. Die Passagen habe ich, das muss ich ehrlicherweise zugeben, überblättert oder maximal überflogen.

Sieht man davon ab, mag ich die Idee des Romans wirklich sehr. Nachdem die Inhaberin der Buchhandlung verstorben ist, erbt Posy Bookends, den Buchladen, in der sie jahrelang als Mitarbeiterin gearbeitet hat. Posy möchte nun ihren großen Traum – Eine Buchhandlung, in der ausschließlich Liebesromane mit Happy End verkauft werden – in die Tat umsetzen. Dafür plant sie ein Make-over der Buchhandlung, begonnen mit einem Abverkauf der vorhandenen Bücher, dem Aufstellen neuer Regale, der Neustrukturierung des Ladens bis hin zum Einräumen der Regale mit Liebesromanen. All dies verspricht eine starke, resolute Frau, die voller Tatendrang voranschreitet, um ihre Träume zu verwirklichen. Klingt großartig, oder?

Posy & Sebastian

Schon nach kurzer Zeit machte sich Ernücherung breit. Nanu, wo ist denn die willensstarke Frau auf einmal hin? Was zu Beginn so vielversprechend anmutete, verflüchtigte hat sich innerhalb kürzester Zeit vollständig. Spätestens, nachdem Posy die ersten Zeilen ihres Romans in die Tasten haut, war für mich alle Hoffnung verloren.

Ich weiß gar nicht, wie ich meinen Unmut passend in Worte fassen kann. Sebastian, der Enkel der verstorbenen Ladeninhaberin, war natürlich ein wenig überrascht, als sich herausstellte, dass die Buchhandlung an Posy und nicht an ihn weitergegeben wird. Auch, wenn er – so klingt es zumindest den kompletten Roman über an – keine besondere Beziehung zu Büchern hat, so rechnete er doch gewissermaßen damit. Das kann ich vollkommen nachvollziehen, keine Frage. Aber wie der Roman im Anschluss daran fortgeführt wird, entspricht überhaupt nicht meinen Vorstellungen von einer guten Geschichte.

Sebastian ist großspurig, selbstgerecht, arrogant und einfach ein Ekelpaket. Er verhält sich Posy gegenüber dermaßen indiskret und ignorant, dass ich mich ernsthaft frage, ob ein Mensch wirklich so sein kann. Sebastian fällt ihr ständig ins Wort, wenn sie etwas sagt, hört er ihr nicht zu. Er ignoriert wirklich komplett alles, was Posy sagt. Für mich verliert das Ganze spätestens zu dem Zeitpunkt an Glaubwürdigkeit, als Posy ihm wieder und wieder mitteilen muss, dass ihr die Buchhandlung anvertraut wurde und nicht ihm. Ich würde Sebastian am Liebsten an den Kopf werfen: It’s not your business. Ich möchte für Posy Partei ergreifen, aber das geht natürlich nicht.

Zum einen funktioniert es nicht, weil es ein Roman ist und die Charaktere fiktiv sind. Zum Glück. Auf der anderen Seite hindert mich mein Inneres daran. Ich weiß nicht wieso, aber es wirkt alles so furchtbar konstruiert – und das leider nicht auf eine gute Art und Weise. Die Metamorphose, die beide Charaktere gewissermaßen durchleben, wirkt derart abstrus, einfach weil man von dieser Ausgangssituation nicht zu diesem Endergebnis gelangen kann. Punkt. Ich möchte wirklich nicht spoilern, aber der Sinneswandel der beiden ist unfassbar unauthentisch, das kann und möchte ich auch überhaupt nicht nachvollziehen können.

Erweckte sich bei mir zu Beginn noch der Eindruck, als sei Posy eine starke Persönlichkeit, die mit allerhand Willensstärke ausgestattet ist, muss ich bereist nach wenigen Seiten meinen Irrtum einräumen. Auch, wenn Sebastian sehr despotisch ist, bin ich davon ausgegangen, dass Posy ihm die Stirn bietet. Und zwar von Anfang an. So zu tun, als würde man mit der Idee, eine Krimibuchhandlung zu eröffnen, d’accord gehen, nur, damit Sebastian zufrieden ist und Posy in Ruhe lässt, zählt für mich nicht dazu. Denn, seien wir ehrlich: Damit verlagert sie den Konflikt nur. Das ist kindisch und kein Charakterzug, den ich von einer Ladeninhaberin präsentiert bekommen möchte.

Natürlich ist Posy keine Karrierefrau, sonst hätte sie sich in ihrem Leben bereits um eine andere Position bemüht, das ist mir klar. Das ist aber gar nicht der Punkt. Ich habe vielmehr mit dem Prozess ein Problem. Ich habe mich in Posy geirrt, sie ist doch nicht so konsequent, wie ich angenommen habe? Geschenkt. Wirklich. Damit könnte ich leben. Aber wie kann man aus einer solch schwierigen Situation – Posy, die sich von Sebastian derart herabsetzen lässt und Sebastian, der Posy wirklich respektlos behandelt – so viele positive Gefühle (um es möglichst spoilerfrei auszudrücken) erwachsen lassen? Das ist mir unbegreiflich.

Sehen wir uns im Sommer in Bloomsbury wieder?

Ich wünschte, ich könnte an dieser Stelle eine positive Antwort geben, aber hier muss ich ehrlich sein: Definitiv nicht. Auch, wenn der Roman gegen Ende wirklich schön wurde und ich am liebsten mit dem zweiten Band begonnen hätte, möchte ich die Reihe nicht fortsetzen. Aufgrund des turbulenten Starts ist mir die Lust daran vergangen, die Geschichte um Posy und Bookends weiter zu verfolgen.

Außerdem möchte ich noch einmal festhalten, dass Der kleine Laden in Bloomsbury wirklich Potential hat und mir, abgesehen von den misslungenen Charakteren, wirklich gefallen hat. Die Idee dahinter ist spitze, der Schreibstil flüssig und es fühlte sich von der ersten Seite an so an, als stünde man ebenfalls in der Buchhandlung und verfolgt das Geschehen vor Ort. Das hat mir wirklich gut gefallen.

Umso trauriger macht es mich, dass ich mit Bloomsbury so einen holprigen Start hatte. Denn ich schätze, dass der zweite Band – Sommer in Bloomsbury – wirklich Potential hat und eine schöne Geschichte zwischen den Buchdeckeln darauf wartet, gelesen zu werden. Doch leider nicht von mir.

Eckdaten & weitere Informationen

Titel: Der kleine Laden in Bloomsbury | Autor: Annie Darling | Verlag: Penguin | Taschenbuch, Klappenbroschur | Liebesroman, Frauenliteratur | Seitenzahl: 416 | ET: 14.05.2018 | ISBN: 978-3-328-10319-6

Vielen Dank an Penguin und das Bloggerportal für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares.