Meine Lese-Statistik verrät mir, dass der Mai der buchtechnisch schwächste Monat bisher in diesem Jahr für mich war. Das hat mich ein wenig überrascht, kam er mir doch gar nicht so vor. Das liegt vermutlich aber daran, dass ich in diesem Monat einerseits ein Buch aus dem Februar abgeschlossen und andererseits mehrfach außerhalb meiner Komfortzone gelesen habe. Es ist neu, es ist aufregend, es prägt sich ein. Außerdem habe ich ausschließlich Backlist-Titel von meinem SuB gelesen und das fühlt sich wirklich richtig gut an. 

In Zahlen gesprochen hält der Mai Folgendes bereit: Ich habe insgesamt 1518 Seiten gelesen, das entspricht ungefähr 49 Seiten täglich. Gar nicht mal so übel. Besonders gefreut hat es mich, dass ich endlich mal wieder ein E-Book gelesen habe, denn – ich gebe es zu – diese kommen bei mir einfach immer noch viel zu kurz. Auch ein englisches Sachbuch(!) ist diesmal mit dabei und darüber freue ich mich ganz besonders. Darüber hinaus ist der Mai der erste Monat, in dem ich mehr Bücher von Autoren als von Autorinnen gelesen habe. Das Verhältnis ist 3:1. Aber das finde ich gar nicht schlimm. Schauen wir uns die einzelnen Bücher nun einmal genauer an!

Stephen King – Dolores

Dieses Buch war eine absolut spontane Lektüre. Stefan hat ein Buch von Stephen King aus dem Regal gezogen und ich habe kurzerhand beschlossen, mich ihm anzuschließen und so haben wir Dolores gemeinsam gelesen. Er hat die physische Ausgabe gelesen und ich habe mir das E-Book heruntergeladen. Wir wussten beide nicht, worauf wir uns mit diesem Buch einlassen, denn wir hatten nicht mehr als den Klappentext gelesen. Umso gespannter war ich, was die knapp 350 Seiten für mich bereithalten. Das ist ungewöhnlich für mich, war aber wirklich spaßig und werden wir in jedem Fall wiederholen.

Ich habe in meiner Jugend schon das ein oder andere Buch von Stephen King gelesen – Atlantis, Duddits und den Beginn des dunklen Turms -, aber so richtig warm wurde ich mit ihm bisher nie. Vermutlich liegt es daran, dass Sci-Fi und all dies Übernatürliche normalerweise nichts für mich ist. Dolores ist da aber ganz anders. Das Buch ist ein Monolog einer Frau, deren Lebensbeichte auf 350 Seiten erzählt wird. Auch, wenn ich kleine Startschwierigkeiten mit dem Roman hatte, freue ich mich, dass ich durchgehalten habe. Denn insgesamt ist Dolores ein tolles Buch, was ich wirklich weiterempfehlen kann.

J. D. Vance – Hillbilly Elegy

Puh! Hillbilly Elegy ist jenes Buch, das ich bereits im Februar begonnen und nun endlich beendet habe. Aufmerksam geworden bin ich auf dieses Buch, da Stefan es für ein Seminar in der Uni gelesen hatte und mir davon erzählte. Seine Erzählungen machten mich neugierig, denn ich interessiere mich für genau solche Art von Geschichten: Lebensgeschichten aus den Südstaaten, vom Erreichen und Scheitern des American Dreams – davon kann ich gar nicht genug Bücher in meinem Regal haben. Ich wollte das Buch unbedingt auch lesen und im Februar war es endlich soweit.

Auch, wenn das Buch gerade einmal 257 Seiten umfasst, habe ich ungewöhnlich lange dafür gebraucht, machen wir uns nichts vor. Das liegt zum einen daran, dass ich es im Original gelesen habe und andererseits daran, dass mir der Einstieg ein wenig schwer fiel. Vance beginnt in seiner Kindheit, welche unglaublich von Gewalt geprägt war und das war mir – auch, wenn es authentisch war – manchmal einfach ein wenig zuviel des Guten. Nach und nach verliert sich das aber und ich konnte schon bald nicht mehr aufhören, Hillbilly Elegy zu lesen und hatte das Buch im Mai dann innerhalb weniger Tage beendet. Mein Fazit: Jeder, der sich für diese Thematik interessiert, sollte dieses Buch lesen. Es ist wirklich unglaublich gut!

John Williams – Stoner

Ein weiteres Buch von außerhalb meiner Komfortzone. Aber vielleicht ändert sich das auch bald. Stoner habe ich im Bücherschrank entdeckt und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir bis zu diesem Zeitpunkt sowohl das Buch als auch der Autor vollkommen fremd waren. Nachdem ich das Buch nun gelesen und ein wenig dazu recherchiert habe, frage ich mich, unter welchem Stein ich all die Jahre gelebt habe. Wie konnte ich noch nie etwas von dem Autor gehört bzw. gelesen haben, der – so schreibt es der Verlag selbst – den besten(!) Roman geschrieben hat?

Dank Bücherschrank-Fund habe ich das in diesem Monat geändert und ich muss sagen, dass mir der Roman wirklich gut gefallen hat. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Art von Geschichten genau jene sind, die ich schon mein leben lang gesucht habe. Umso mehr freue ich mich, sie endlich gefunden zu haben. Stoner ist meiner Auffassung nach zurecht ein moderner Klassiker und ich freue mich, dass er in den letzten Jahren – und schließlich auch von mir – (wieder)entdeckt wurde.

Gail Honeyman – Ich, Eleanor Oliphant

Dieses Buch möchte ich wirklich schon unglaublich lange lesen und nachdem es eine gefühlte Ewigkeit auf meiner Wunschliste stand, verweilte es noch einige Zeit auf meinem SuB, bevor es nun endlich(!) gelesen wurde. Und wie es häufig mit solchen Büchern ist, fragt man sich am Ende, wieso man mit der Lektüre so lange gewartet hat, einfach weil die Geschichte so schön ist. Genau so war es bei Eleanor und mir.

Von manchen habe ich gehört, dass sie so ihre Probleme mit Eleanor hatten und den Zugang zu ihr nicht so recht finden konnten. Diese Probleme hatte ich glücklicherweise nicht. Mir war Eleanor von der ersten Seite an sympathisch und auch, wenn viele ihrer Handlungen befremdlich wirken, habe ich sie zu jeder Zeit verstanden. Ich konnte nachvollziehen, wieso sie handelt, wie sie das tut und habe regelrecht mit ihr gebangt, gelitten und gehofft.

Selten habe ich mich derart in eine Geschichte hineinversetzt gefühlt wie hier. Es kam mir so vor, als sei ich selbst Teil dieser Geschichte und Eleanor wäre eine Bekannte, eine Freundin von mir. Ich habe Ich, Eleanor Oliphant so gerne gelesen mir fiel es ausgesprochen schwer, mich morgens von dem Buch loszureißen, um ins Büro zu fahren. Auf Bahnfahrten habe ich es vermieden, dieses Buch zu lesen, weil mir klar war, dass ich sonst meinen Ausstieg verpasst hätte. Denn schon nach wenigen Seiten war ich so in der Geschichte drin, dass ich alles um mich herum vergessen habe. Eleanor Oliphant wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben, da bin ich mir sicher.

4 außergewöhnliche Geschichten 

Ich habe im Mai nicht viel, dafür aber facettenreich und gut gelesen. Ganz nach dem Motto Qualität vor Quantität und gerade das Beenden von Hillbilly Elegy hat mich unglaublich glücklich gemacht. Ich schätze, dass mit dem Juni und den wärmeren Temperaturen endlich meine Sommerlektüren im Angriff genommen werden und damit mein SuB in den nächsten Monaten weiter schrumpfen wird.

Erst neulich habe ich mein Bücherregal neu geordnet und in diesem Zuge auch einige Bücher aussortiert und in den Bücherschrank gestellt, an Mama oder Freunde verschenkt. Jetzt habe ich endlich wieder einen guten Überblick über meinen SuB und es macht Spaß, mit einem Handgriff ein Buch davon hervorzuholen. Davor musste ich häufig danach suchen, was einen sehr schnell dazu verleitet, einfach ein Buch, das erst kürzlich eingetroffen ist, zu lesen – oder eben loszuziehen und sich neuen Lesestoff zu kaufen. In diesem Sinne: Ran an den SuB!