Ich bin nun seit einigen Monaten in der Bookstagram-Community unterwegs und mein Blog ist mittlerweile seit zwei Wochen online. Ich habe in dieser Zeit ganz bezaubernde Bekanntschaften gemacht und mir geht jedes Mal aufs Neue das Herz auf, wenn ich sehe, mit wie viel Hingabe und Leidenschaft manch einer seine Liebe zur Literatur zum Ausdruck bringt. Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass man nicht die einzige Person ist, die es liebt, durch das Lesen in fremde Welten einzutauchen und sich damit kleine Auszeiten vom Alltag zu gönnen.

Doch wo Sonne ist, da ist bekanntlich auch Schatten und deswegen möchte ich mit diesem Blogpost auf eine Sache oder eventuell sogar auf mehrere Dinge aufmerksam machen, die mir als Buchblogger in dieser Community ein wenig widerstreben.
Egal, ob morgens mit einer Tasse Kaffee beim Frühstück, nach Feierabend oder am Wochenende, gemütlich in den Sessel gekuschelt – den Newsfeed bei Instagram durchzuscrollen ist für mich zu einem Bestandteil meines Tages geworden. Ich erfreue mich jedes Mal daran, wie gegenwärtig Literatur bei vielen Menschen im Alltag ist, wie liebevoll Manche ihren buchigen Content aufbereiten. Doch je mehr ich mich als Buchblogger in der Community bewege, umso mehr stelle ich fest, dass die Currentlyreadings vieler Buchblogger nahezu ausschließlich brandaktuelle Bücher sind, die oft erst wenige Tage im Buchhandel erhältlich sind. Generell habe ich den Eindruck, dass man auf Instagram nur wirklich Fuß fassen und einen erfolgreichen Account (was auch immer das bedeuten mag) präsentieren kann, wenn man nicht von dieser unausgesprochenen Übereinkunft abweicht, topaktuelle Literatur zu konsumieren.
Mit dieser Aussage möchte ich weder jemanden angreifen noch in eine Schublade stecken und ebenso möchte ich damit auch nicht zum Ausdruck bringen, dass ich nicht auch der ein oder anderen Neuveröffentlichung entgegenfiebere und es oft kaum erwarten kann, den druckfrischen Roman meines Lieblingsautors in den Händen zu halten. Vielmehr stelle ich mir die Frage: Warum ist das so? Warum ist es so beliebt, aktuelle Neuerscheinungen – oft ungeachtet des eigenen präferierten Genres – zu lesen und damit gleichzeitig so viele Bücher von Beginn an von der eigenen Leseliste zu streichen? Um es in der Sprache von Instagram auszudrücken: Wieso werden an Bilder, die ein aktuelles Buch abbilden, mehr Herzchen verteilt als an Aufnahmen, die einen Top-Thriller von vor drei Jahren präsentieren?

Meine Intention ist es nicht, irgendjemanden für irgendwas zu verurteilen, ich möchte schlicht und einfach darauf aufmerksam machen, dass Bücher nicht ihren Charme oder Sonstiges verlieren, nur weil sie nicht mehr in den Vorschau-Katalogen der Verlage abgedruckt werden. Den Druck, der uns durch Social Media aufgetragen wird, nämlich immer auf dem neuestem Stand, immer up-to-date sein zu müssen, müssen wir nicht auf unser Leseverhalten übertragen. Mit meinem Buchprojekt LITERALLYKLASSIK versuche ich genau diesem Trend entgegenzuwirken. Ich möchte älteren Büchern, in diesem Fall Klassikern der Weltliteratur, den Raum geben, den sie verdient haben. Ich möchte, dass sie gelesen werden und dass über sie gesprochen und diskutiert wird – kurz: Dass sie nicht in Vergessenheit geraten! Natürlich nicht nur innerhalb dieses Buchprojekts, sondern generell. Auf meinem Blog werdet ihr nicht nur Rezensionen zu Neuerscheinungen lesen können Ich lese und rezensiere ungeachtet des Erscheinungsdatums des Buches.

Und damit wären wir schon bei meinem nächsten Anliegen, auf das ich noch zu sprechen kommen möchte. Dank InstaStories ist es Buchbloggern mittlerweile ganz einfach möglich, ihren Followern die neu erworbenen Bücher zu präsentieren. Ich schaue mir das gerne an, denn seien wir ehrlich – Jeder Buchfreund ist neugierig und kann bestenfalls bei den sogenannten Unboxings noch Schätze für sich selbst entdecken. Doch was mir bei diesen Unboxings zunehmend auffällt, ist Folgendes: Es sind vorwiegend fabrikneue Bücher, die ge-unboxed werden.
Ich für meinen Teil kann gar nicht sagen – abgesehen von den drei Büchern für mein Buchprojekt – wann ich zuletzt Bücher in der Buchhandlung gekauft und damit den vollen Kaufpreis gezahlt habe (ausgenommen Literatur für das Studium). Es muss Jahre her sein. Tatsächlich kaufe ich meistens gebraucht. Und das tue ich nicht, weil ich geizig bin oder dergleichen, sondern schlicht und einfach, weil ich gebrauchte Bücher (in sehr guten bis maximal gutem Zustand) für vollkommen ausreichend erachte. Ein Buch erhält – wenn der Leser sorgsam damit umgeht – keinen Qualitätsverlust, nur weil es jemand schon einmal gelesen hat.
In diversen Foren und Gruppen von Buchbloggern lese ich oft Sätze wie „Oh, ihr macht mich arm! Ich musste mir dieses Buch einfach kaufen, ihr habt mich angefixt!“. Oder „Ihr schwärmt alle von dieser Trilogie, ich habe sie mir nun kurzerhand gekauft, obwohl es geldtechnisch diesen Monat eigentlich gar nicht drin ist.“. Verständlich, wenn man sich überlegt, dass Hardcover-Ausgaben mittlerweile gut und gerne ihre 25 Euro kosten. Und da stelle ich mir die Frage: Muss das sein? Muss man instant in den Buchladen gehen und das Buch druckfrisch erwerben? Woher kommt dieser Druck? Ist das ebenso eine Folge des Drucks, der aus dem sozialen Vernetztsein resultiert? Immer up-to-date sein zu müssen – Immer alles sofort besitzen zu wollen?
Und vor allem – Wieso wird es als Tabuthema aufgefasst, über den Preis von Büchern zu sprechen? Wieso kann man nur schwer öffentlich aussprechen, dass einem ein Buch für den Neupreis zu teuer ist? Und wieso wird daraufhin ausschließlich damit argumentiert, dass das Buch seinen Preis wert sei? Das ist für mich völlig unverständlich. Lesen soll eine Tätigkeit sein, die Spaß und Freude mit sich bringt, die dem Leser zauberhafte Stunden voller Vergnügen beschert und zu keiner Zeit sollte sie irgendeine kompetitive Komponente aufweisen, nicht beim Lesen und auch nicht im Dialog mit anderen Buchbloggern.

Ich persönlich stöbere gerne durch Online-Auktionshäuser und andere Plattformen, die gebrauchte Bücher anbieten oder schlendere auch gerne über den Flohmarkt und freue mich, wenn ich dort ein schönes Buch entdecke. Das hat zur Folge, dass es oft einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt, bis ich ein Buch von meiner Wunschliste erwerbe – Aber das stört mich nicht. Ganz im Gegenteil, ich habe Spaß daran, auf die Suche nach gebrauchten Büchern zu gehen. Keine Frage: Wenn ich ein bestimmtes Buch unbedingt lesen möchte, kaufe ich mir dieses natürlich – aber in den meisten Fällen werde ich auf Plattformen fündig, die gebrauchte Bücher anbieten. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal deutlich machen: Es ist nichts Schlimmes daran, sich nicht ad hoc eine Hardcover-Trilogie für schätzungsweise 75 Euro leisten zu können oder auch schlicht und einfach nicht leisten zu wollen. Das ist in Ordnung. Das zumindest ist meine Meinung.

Auch, wenn ich darüber nachdenke, welche Rolle ich als Buchblogger einnehme, widerstrebt mir dieser permanente Neubuchkauf ein wenig. Viele Buchblogger sind noch sehr jung, oft noch nicht volljährig und damit ist der Buchkauf aller Voraussicht nach an das Taschengeld gekoppelt. Und ehrlichgesagt weiss ich nicht, ob ich junge Buchblogger dazu animieren möchte, sämtliches Taschengeld für Neubücher auszugeben (gerade bei den derzeitigen Neupreisen von Hardcover-Ausgaben), wenn man sich in den meisten Fällen das gleiche Lesevergnügen auch für einen Bruchteil des Geldes nach Hause holen kann. Auch, wenn ich Betreiberin eines kleinen Buchblogs bin, möchte ich auf dieses Thema aufmerksam machen und Andere dafür sensibilisieren.

Ich hoffe, dass meine Intention hinter diesem Blogbeitrag deutlich geworden ist. Ich kann es nicht oft genug sagen: Ich möchte niemanden für irgendetwas verurteilen, ich möchte auch nicht, dass ab sofort keine Neubücherkäufe mehr getätigt oder keine druckfrischen Romane mehr rezensiert und vorgestellt werden. Das ist nicht meine Absicht. Mein Ziel ist es, mit diesem Beitrag meine Gedanken bezüglich dieses Themas niederzuschreiben und damit der Welt zugänglich zu machen und die Selbstverständlichkeit zu hinterfragen, mit welcher man Neubücher kauft, liest, rezensiert und weiterempfiehlt. In diesem Sinne: Make old books great again!