Mit dem heutigen Beitrag möchte ich eine Reihe einleiten, die ich in unregelmäßiger Regelmäßigkeit fortführen möchte. Das Reden über Filme orientiert sich nur allzu häufig an Gegebenheiten oder Events (Halloween bspw.), an stringent eingehaltenen Themenreihen oder irgendwelchen Challenges auf Letterboxd. Dabei wertet das Schauen von und Sprechen über Filme einen jeden Tag auf, unabhängig von Anlass, Thema oder vermeintlichem Sinn. Daher möchte ich euch hier – vollkommen zusammenhanglos und ganz generell – übersichtlich gehaltene Filmempfehlungen präsentieren, wann immer ich die Zeit dazu finde. Die ausgewählten Filme müssen dabei keine sein, die ich erst kürzlich gesehen habe, sondern vielmehr solche, die ich allgemein für empfehlenswert halte.

Die heutige Auswahl besteht aus drei großen, bekannten, sehr erfolgreichen Filmen, was allerdings nur zufällig so passiert ist und nicht so sein muss. Auch sind sie allesamt relativ neueren Datums, was ebenfalls nicht der Regel entsprechen wird. Schließlich können wir auf über 120 Jahre Kinogeschichte zurückblicken, von frühen Meisterwerken wie Birth of a Nation (1915) von Griffith, Panzerkreuzer Potemkin (1925) von Sergei Eisenstein oder Metropolis (1927) von Fritz Lang bis hin zu Filmen wie Parasite, Midsommar oder The Lighthouse aus dem aktuellen Kinojahr. Aber nun ohne weiteres Geplänkel zu dem, worum es hier eigentlich gehen soll. Viel Spaß beim Lesen!

Of Mice and Men (1992)

Of Mice and Men ist Gary Sinise’s wirklich gelungener Versuch, den gleichnamigen Erfolgsroman von John Steinbeck zu adaptieren. Wie auch in Grapes of Wrath widmet sich Steinbeck hier dem Schicksal armer Farmer und Wanderarbeiter während der Zeit der Weltwirtschaftskrise. Wir treffen auf George (Sinise selbst) und Lennie (wundervoll gespielt von John Malkovich), ein Paar, wie es ungleicher nicht sein könnte. George ist pragmatisch, rational und besonnen, Lennie dagegen ist zwar physisch stark und großgewachsen, jedoch geistig zurückgeblieben. Er hat zudem eine Schwäche dafür, weiche Dinge anzufassen, was den beiden zum einen den vorherigen Job gekostet hat, zum anderen für eine (zunächst) urkomische Situation zu Beginn des Films sorgt, da Lennie eine tote Maus, die er gefunden hat und streichelt, nicht wieder hergeben will. Wie die beiden genau zusammengehören, verrät der Film erst zu einem späteren Zeitpunkt. Beide teilen jedoch den Traum, eines Tages ein Stück Land mit einer eigenen Farm zu haben, mit kleinen Häschen, um die sich Lennie sehr gut kümmern wird, wie er immer wieder verspricht. Um ihrem Ziel näherzukommen, fangen die Beiden an, auf einer Ranch zu arbeiten und bei der Ernte auszuhelfen. Dabei ist George stets bestrebt, Lennie unter Verschluss zu halten, da er befürchtet, Lennies gutgläubige Andersheit könne die beiden in Gefahr bringen. Als dann Curley, der Sohn des Ranchbesitzers, auf den Plan tritt, scheinen diese Bedenken berechtigt…

Sinise greift die zentralen Themen von Steinbeck – Abhängigkeit, Aufbruch, zerbrochene Träume – gekonnt auf und erschafft in diesem Zuge eine wundervoll dramatische Südstaatengeschichte, die ihrem Ursprungsstoff mehr als gerecht wird. Zu verdanken hat der Film das wesentlich auch der Screenplay-Umsetzung von Pulitzerpreisgewinner Horton Foote (To Kill A Mockingbird). Aber auch John Malkovich liefert hier eine der beeindruckendsten Performances seiner Karriere ab. Da Steinbeck ein absoluter Klassiker der amerikanischen Literatur ist, gibt es sicher einige unter euch, die ihn gelesen oder auf ihrer Liste haben. Beiden Gruppen kann ich den Film nur wärmstens empfehlen. Und auch sonst jedem, der für diesen gewissen Südstaatenflair offen ist.

Das weiße Band (2009)

Das weiße Band siedelt seine Handlung im fiktiven norddeutschen Dorf Eichwald in den Jahren 1913 und 1914 an, am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Ein in die Jahre gekommener Erzähler leitet uns durch die Handlung, indem er retrospektiv von seiner früheren Arbeit als Lehrer in eben jenem Dorf Eichwald berichtet. Nach außen hin ist die Dorfgemeinschaft von protestantischer Strenge und Sitte geprägt, innerhalb der einzelnen Familien jedoch offenbaren sich Zerrüttung, Missbrauch und harte Bestrafung. Zu leiden haben darunter vor allem die Kinder des Dorfes, die der patriarchalischen Autorität hilf- und mittellos gegenüberstehen. In Fahrt kommt die Handlung dadurch, dass sich immer wieder grausame Taten ereignen, deren Ursprung der Dorfgemeinschaft Rätsel aufgibt. So wird beispielsweise der Arzt des Dorfes schwer verletzt, als sein Pferd über ein gespanntes Drahtseil stürzt. Und während man sich mehr und mehr um die internen Dorfangelegenheiten den Kopf zerbricht, ziehen im Hintergrund – wie ein fast schon unwichtiges Detail – diejenigen dunklen Wolken auf, die sich mit einem geschichtsträchtigen Knall entladen werden.

Regisseur Michael Haneke – dem der Film neben anderen Preisen auch die Goldene Palme in Cannes einbringt – schafft es, geschickt aufzuzeigen, wie aus den im Film dargestellten Druckbeziehungen ein Vakuum entsteht, dass sich nur zu gerne durch den radikalen Glauben an ein Ideal, letztlich also Ideologie, auffüllen lässt. Besonders interessant und brisant ist das vor allem, wenn man sich vor Augen führt, welche Generation hier gerade am Heranwachsen ist und wofür sie später stehen wird. Insofern entsendet uns Haneke auf eine – chic in schwarz-weiß gehaltene – Zeitreise, die unser Interpretationsvermögen stimuliert. Denn nicht umsonst erwähnt der Erzähler zu Beginn, dass er nicht sicher sei, ob die Geschichte in allen Details der Wahrheit entspräche. Wem diese Prämisse zusagt, der kann sich auf sehr gute Kinderdarsteller, einen großartigen Soundtrack und einen Film freuen, der ihm noch eine Weile im Gedächtnis bleiben wird.

Grand Budapest Hotel (2014)

Grand Budapest Hotel möchte ich euch nicht bloß aufgrund des Filmes selbst empfehlen, sondern weil ich ihn für den besten Einstiegspunkt in das restliche Werk von Wes Anderson halte. Und zweifelsfrei werdet ihr euch nach Grand Budapest Hotel damit auseinandersetzen wollen. Das garantiere ich! Der Film setzt zunächst in der Gegenwart der fiktiven Republik Zubrowka – irgendwo im Osten von Europa – an. Eine junge Frau nähert sich auf einem Friedhof der mit Schlüsseln behangenen Büste eines in Zubrowka verehrten Autors. Eines seiner Bücher in Händen beginnt sie, selbiges zu lesen, und wir schlüpfen in die Perspektive des Autors selbst, der 1968 aufgrund einer Schreibblockade den (ebenfalls fiktiven) Luftkurort Nebelsbad und das dortige Grand Budapest Hotel besucht. Das Hotel hat schon bessere Zeiten gesehen und ist nicht unbedingt gut besucht. Schnell lernt der Autor den Hotelbesitzer Zéro Moustafa kennen und erfährt beim gemeinsamen Abendessen, wie dieser an das Hotel gekommen ist und warum er so daran hängt. Wir reisen nochmals zurück, diesmal ins Jahr 1932, in die eigentliche Haupthandlung des Filmes und begleiten Zéro, wie er während der damaligen Blütezeit des Hotels als Lobby Boy unter der Leitung des Concierge Gustave H. anfängt. Wir schließen uns den beiden auf einer irrwitzigen und phantasieschwangeren Reise an, die beginnt, als Gustave von einem verstorbenen Stammgast, Madame D., das unbezahlbare Kunstwerk Jüngling mit Apfel erbt. Soviel muss an dieser Stelle ausreichen, um nicht zu viel vorweg zu nehmen.

Was wir hier zunächst haben, ist ein Film mit einem schier endlos scheinenden Staraufgebot, wobei viele davon zu Wes Andersons Stammbesetzung zählen: Ralph Fiennes, Willem Dafoe, Bill Murray, Owen Wilson, Saoirse Ronan, Adrien Brody, Jeff Goldblum, Edward Norton, Jason Schwartzman, Tilda Swinton, Léa Seydoux, Harvey Keitel und einige mehr. Was den Film so wundervoll macht, ist eng mit Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Wes Anderson verknüpft, dessen Werke man ohne Zweifel als moderne Beispiele des klassischen Autorenfilms bezeichnen kann. Jedes Element des Films schreit seinen Namen: Der typische Humor, den man am besten als quirky bezeichnen könnte, schräg, etwas skurril, nie zu aufdringlich doch stets allgegenwärtig. Das Spielen mit den verschiedenen Seitenverhältnissen innerhalb des Filmes. Die typischen symmetrieverliebten Frontalshots, die die Räume auf die immerselbe typische Weise einfangen. Das stellenweise opulente, immer aber phantasievolle, mit starken Farben versehene, ausdrucksstarke Set-Design mit den vielen Details, die man zum Teil erst beim zweiten oder dritten Anschauen bemerkt. Seht euch nur einige Augenblicke des Trailers an und ihr werdet sofort verstehen, was ich mit den genannten Punkten meine. Der Trailer spricht mehr Worte, als ich hier jemals zusammenschreiben könnte. Typisch natürlich auch das Drehbuch selbst, eine Story, wie sie nur Wes Anderson schreiben könnte. Und das ist eben auch das Schöne an seinen Filmen: Man hat immer das Gefühl, dass er stets bis in jeden kreativen Detailgrad weiß, was er möchte, und sich nie um Konventionen und Erwartungen schert. Bei manchen Dingen hat man einfach das Gefühl, dass sie der Phantasie eines Kleinkindes entspringen und das macht sie so wundervoll charmant. Wen der Trailer anspricht und wer in die Welt von Anderson eintauchen möchte, der kann Grand Budapest Hotel ohne große Umschweife auf Netflix finden und sofort loslegen. Und wer damit fertig ist und direkt weitermachen möchte, dem kann ich als zweiten Film Moonrise Kingdom ans Herz legen (allerdings nicht auf Netflix, soweit ich weiß).

Feedback

Eine Bitte hätte ich noch. Ich bin mir bezüglich zwei Dingen unsicher und könnte euer Feedback gebrauchen. Zum einen die Länge: Haltet ihr die Abschnitte zu einzelnen Filmen für zu lang oder zu kurz? Bieten sie genug Raum, um potentiell Interesse zu wecken? Denn letztlich geht es ja genau darum: Anregen, sensibilisieren, aufzeigen, um anderen eine (hoffentlich) positive (Film-)Erfahrung zu ermöglichen. Und zum anderen die Anzahl selbst: Sollten es mehr Filme pro Beitrag sein? Oder würden mehr die Aufmerksamkeitsspanne möglicherweise zu stark ausreizen? Eure Meinungen diesbezüglich würden mich wirklich interessieren und mir weiterhelfen. Vielen Dank im Voraus!


Die Rechte am Videomaterial liegen bei den jeweiligen Filmverleihen.