Manche Filme verdienen unsere Aufmerksamkeit, weil sie inhaltlich ansprechend sind, die Idee überzeugend und das Drehbuch gut geschrieben ist, der Cast sich perfekt ergänzt und der Regisseur sein Fach versteht. Andere Filme überzeugen durch ihre genre-spezifische oder gar kino-historische Relevanz. Und wieder andere sprechen uns durch ihre interessante, ungewöhnliche oder vielleicht sogar tragische Entstehungsgeschichte an. Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten vereint all diese Aspekte, weshalb ich ihn euch heute vorstellen möchte.

Romancing the Stone, wie der Film im Original heißt, lief 1984 in den Kinos an und entstand unter der Regie von Robert Zemeckis, den viele von euch sicher durch Filme wie Forrest Gump (1994), Contact (1997) oder Cast Away (2000), aber vor allem durch seine Zurück in die Zukunft-Trilogie (1985-90) kennen. Tatsächlich ermöglichte der überraschende Erfolg von Romancing the Stone Zemeckis, den ersten Zurück in die Zukunft-Teil überhaupt erst umzusetzen.

Produziert wurde der Film von Michael Douglas, der auch gleichzeitig eine der Hauptrollen an der Seite von Kathleen Turner und Danny DeVito spielt. Romancing the Stone stellt einen wichtigen Schritt in den einzelnen Karrieren des harmonischen Trios dar, welches auch in späteren Filmen zusammen zu sehen ist. Das wirklich Interessante ist aber tatsächlich die Geschichte um das Drehbuch und dessen Autorin Diane Thomas, die als tragische Cinderella in die Geschichte des Kinos eingegangen ist. Dazu jedoch später mehr. Zunächst einmal die Story.

Die Story

Kathleen Turner spielt die erfolgreiche Schriftstellerin Joan Wilder. Trotz ihres Erfolgs lebt sie einsam mit ihrem Kater Romeo in ihrem Apartment in New York. Ihr Umfeld ermutigt sie immer wieder, doch mehr unter Leute zu gehen, um jemanden kennenzulernen. Sie jedoch wartet und hofft auf diejenige Art romantischen Helden, über den sie selbst in ihren Büchern schreibt. Als Joan unerwartet Post von ihrem kürzlich in Kolumbien ermordeten Schwager erhält, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Nicht nur wird ihre Wohnung kurz darauf durchwühlt, auch erhält sie einen Anruf von ihrer Schwester Elaine, die sich ebenfalls in Kolumbien befindet und von zwei Halunken, den Cousins Ira und Ralph (Danny DeVito), entführt worden ist. Joan soll die Karte, die sie aus besagter Post von ihrem Schwager erhalten hat, aushändigen und gegen ihre Schwester eintauschen. Also macht sich Joan nach Kolumbien auf, wo sie schnell den Vogelschmuggler Jack T. Colton (Michael Douglas) kennenlernt und ein irrwitziges Abenteuer erlebt, wie sie es besser nicht hätte selbst schreiben können…

Das Genre

Entgegen der sehr niedrigen Erwartungen von 20th Century Fox, für die Douglas den Film produzierte, wurde Romancing the Stone zum Überraschungserfolg des Jahres 1984. Verantwortlich dafür ist sicherlich, neben dem guten Drehbuch, vor allem auch der Genre-Mix, den der Film mit sich bringt. Er nimmt den klassischen Abenteuerfilm und fügt ihm eine angenehme Prise Romance hinzu. Die Rollen von Joan und Jack, das ewige Anziehen und Abstoßen zwischen den beiden, sind sehr schön und charmant geschrieben und erfüllen diesen Anspruch voll und ganz. Dazu fährt der Film noch den klassischen Hollywood-Humor auf, dem das Publikum immer etwas abgewinnen kann. Vor allem die Rolle von Danny DeVito, dem ewig witzigen Italo-Zwerg, trägt hier ihren Teil bei. So entsteht die Blaupause für eine romantische Abenteuerkomödie, in der keines der Elemente in den Vordergrund drängt. Sie erinnert ein wenig an The African Queen (1951) mit Humphrey Bogart und Katharine Hepburn, der eine ähnliche Formel verwendet.

Die Entstehung

Um euch die Entstehungsgeschichte des Filmes näher zu bringen, ist es sinnvoll, zunächst mit Michael Douglas anzufangen. Mitte der 70er war Douglas vor allem durch seine Rolle in der TV-Serie The Streets of San Francisco bekannt. Wie das ja schon immer so ist, sind TV und Kino zwei verschiedene Welten und TV-Schauspieler haben es trotz etwaigem Erfolg schwer, in Hollywood Fuß zu fassen. Zu Michaels Glück hatte sein Vater Kirk Douglas, seines Zeichens selbst renommierter und erfolgreicher Schauspieler, die Filmrechte am Erfolgsroman One Flew Over the Cuckoo’s Nest erworben, in dessen Broadway-Adaption er selbst auch die Rolle des McMurphy gespielt hatte. Nachdem er kein Studio fand, das den Film mit ihm produzieren wollte, gab Kirk die Rechte an seinen Sohn Michael weiter. Dieser hatte etwas mehr Glück, bekam den Film produziert und schüttelte mit seinem Produktionsdebüt mal eben einen der größten Filme der Filmgeschichte aus dem Ärmel, der neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen auch fünf Academy Awards bekam (u.A. Best Picture).

1978 dann geriet Michael das Script zu Romancing the Stone zufällig in die Hände. Es war von der jungen Psychologiestudentin Diane Thomas in deren Freizeit geschrieben worden, während sie nebenher als Bedienung in Malibu arbeitete. Michael hatte das Script von Dianes Agenten erhalten – obwohl andere Stimmen sagen, er wäre in typischer Hollywood-Manier zufällig Kunde in Dianes Restaurant gewesen und hätte das Script direkt von ihr selbst vorgestellt bekommen – und kaufte es ihr kurzerhand für 250.000 $ ab, da es ihn voll und ganz überzeugte. So begann er unter seinem damaligen Produktions-Deal mit 20th Century Fox, den Film zu produzieren. Nachdem alle Wunschkandidaten für die Rolle des Jack abgesagt hatten, entschied Michael kurzerhand, den Part selbst zu übernehmen. Das missfiel 20th Century Fox, da sie zwar von seinem Können als Produzent durch den vorherigen Erfolg überzeugt waren, jedoch nicht von seinen schauspielerischen Fähigkeiten. In Ermangelung einer Alternative willigten sie dann aber ein, obgleich sie immer noch relativ skeptisch verblieben, da auch Robert Zemeckis, den Michael als Regisseur haben wollte, zu dieser Zeit keinen sehr guten Ruf hatte. Sie setzten die Veröffentlichung entsprechend in den März, damit der Film sich nicht direkt mit der großen Sommerkonkurrenz wie beispielsweise dem zweiten Indiana Jones messen musste. Aller Skepsis zum Trotz wurde der Film ein dermaßen großer Erfolg, dass 20th Century Fox prompt ein Sequel mit dem Titel Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil (The Jewel of the Nile, 1985) ersannen, in denen DeVito, Turner und Douglas wieder ihre Rollen einnahmen und Douglas zudem wieder an der Produktion arbeitete.

Der unerwartete und spontane Erfolg katapultierte vor allem auch Drehbuchautorin Diane Thomas von ihrem Job als Bedienung in den Hollywood-Himmel. Sie war plötzlich so gefragt, dass sie sogar an Steven Spielbergs neuem Film Always (1989) schreiben durfte. Somit konnte sie zwar nicht mehr am Script für das Juwel vom Nil-Sequel arbeiten, half Michael jedoch trotzdem bei einigen Szenen und Charakteren. Als Dank dafür und vor allem für ihre Zusammenarbeit an Romancing the Stone schenkte Michael ihr einen Porsche. Fatalerweise war es eben dieser Porsche, in dem Diane kurze Zeit später auf dem Pacific Coast Highway tödlich verunglückte, auch wenn sie ihn nicht selbst lenkte (sondern ihr Freund). Somit endete eine junge und aussichtsreiche Hollywood-Karriere, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. Niemand vermag, zu ermessen, welche Filme uns Diane noch hätte bescheren können, wäre sie nicht viel zu früh gestorben.

Das Fazit

Um von der Tragik der Entstehung noch einmal auf den Film selbst zurückzukommen: Alles in allem ist Romancing the Stone / Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten ein sehr gekonnter Genre-Mix mit viel Charm und einer Besetzung, die sich sehr gut gegenseitig ergänzt. Der Film nimmt eine Vorbildrolle ein, an der sich viele weitere, erfolgreiche Filme mit ähnlichem Konzept orientiert haben. Zudem bringt er diesen typischen 80er Jahre Filmvibe, nach dem wir uns alle hin und wieder sehnen, gekonnt auf den Höhepunkt. Hätte Regisseur Zemeckis hier nicht noch einmal die Kurve in Hollywood bekommen, hätten wir viele große Filme, von denen ich ja anfangs einige genannt habe, wahrscheinlich nie zu sehen bekommen. Wem also nach einer gekonnten Abenteuerromanze in den Tiefen des kolumbianischen Dschungels ist, nach irrwitzigen Verfolgungsjagden und gekonnt ausgespielter romantischer Spannung zwischen den Protagonisten, nach einer durchweg starken weiblichen Hauptrolle und auf die Spitze getriebenen klassischem Popcorn-Kino, das sogar über den eigentlichen Film hinaus eine spannende Story hat, dem kann ich Romancing the Stone nur ans Herz legen.