Seit nunmehr 3 Monaten besitzen wir Netflix. Davor haben wir entweder über Amazon Prime Filme und Serien geschaut oder – und das kommt mir mittlerweile ziemlich altmodisch vor – eine DVD oder Blu-Ray in den Player gelegt. Unsere DVD- und Blu-Ray-Sammlung ist wirklich riesig und macht unseren Bücherregalen ernsthafte Konkurrenz. Obwohl das eigentlich ziemlich gute Voraussetzungen sind, um das Herz eines Cineasten höher schlagen zu lassen, habe ich in der Vergangenheit nicht wirklich einen Zugang zu Filmen und vor allem nicht zu Serien gefunden. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe immer ziemlich schnell das Interesse daran verloren.

Doch in den letzten Wochen und Monaten hat sich das grundlegend geändert. Vielleicht haben die unterschiedlichen Film-, Serien- und Kinoformate, die ich auf Youtube verfolge, mein Interesse geweckt oder möglicherweise habe ich einfach nur Filme und insbesondere Serien gefunden, die mich interessieren. Was es auch ist, mittlerweile gehört es zu meinem festen Tagesablauf, Netflix zu starten, eine Blu-Ray einzulegen oder die neuesten Videos meiner abonnierten Channels bei Youtube anzuschauen.

Es ist wirklich zu einem schönen Hobby geworden, das ich nicht mehr missen möchte. Das ist auch der Grund, wieso ich ab sofort regelmäßig über Filme und Serien, über Netflix und Prime, Kinobesuche und auch über unsere DVD- und Blu-Ray-Sammlung auf meinem Blog berichten möchte. Den Anfang macht dieser Blogpost, in dem ich euch meine 3 liebsten Serien vorstellen möchte, die ich in den ersten 3 Monaten Netflix entdeckt und lieben gelernt habe.

Die Telefonistinnen 

Die Telefonistinnen ist eine jener Serien, auf die ich bereits beim ersten Stöbern durch Netflix aufmerksam geworden bin und die es als erste Serie auf meine Watchlist geschafft hat. Sie ist eine spanische Produktion, die im Madrid der 20er Jahre spielt. Einer der wesentlichen Schauplätze dieser historischen Dramaserie ist die Hauptzentrale der Telefongesellschaft, wo Lidia Aguilar (Blanca Suárez), Ángeles Vidal (Maggie Civantos), Carlota Rodriguez (Ana Fernández) und Marga Suárez (Nadia de Santiago) zum ersten Mal aufeinander treffen. Obwohl die vier jungen Frauen unterschiedlicher nicht sein könnten, werden sie Freundinnen und kämpfen gemeinsam.

Was mir an dieser Serie am besten gefällt, ist der Spagat zwischen romantischer Liebesgeschichte und zeitgenössischen Betrachtungen aus dem Madrid der 20er Jahre. Dabei überzeugen mich die Charaktere von Lidia und Carlotta am meisten. Carlotta, weil sie sich die komplette Serie hindurch für die Emanzipation im damals konservativen Spanien stark macht. Lidia, weil sie immer die passende Lösung zu haben scheint, gleichgültig, wie ausweglos die Situation scheint. Sie spielt ihre Rolle ausgesprochen gut und zieht gekonnt ihren Kopf immer wieder aus der Schlinge, egal, wie weit der Knoten bereits zugezogen ist.

Meine erste Serie bei Netflix war also direkt ein voller Erfolg. Es ist ein wenig schade, dass die 3 bereits erschienen Staffeln immer nur 8 Episoden beinhalten und jedes Mal mit einem fiesen Cliffhanger enden. Aber 2019 soll die 4. Staffel erscheinen und Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

Damit ich die Wartezeit sinnvoll nutzen kann, habe ich mir ähnliche Serien auf meiner Watchlist gespeichert: Grand Hotel und Velvet. Beides spanische Produktionen, die ebenso wie Die Telefonistinnen von Teresa Fernández-Valdés (mit)produziert wurden.

Please Like Me

Nach einer historischen Dramaserie der 20er Jahre reiste ich mit der Dramedy-Serie Please Like Me zurück in die Gegenwart und auf einen anderen Kontinent. Please Like Me ist eine australische Serie, deren Idee und Drehbuch auf Josh Thomas zurückzuführen ist, der gleichzeitig auch vor der Kamera zu sehen ist und den Protagonisten Josh spielt. Thomas möchte diese Serie weniger als Sitcom verstanden wissen, für ihn liegt der Fokus entschieden auf den dramatischen Erlebnissen, die in dieser Serie geschehen.

Josh (Josh Thomas) ist twenty something und muss einige drastische Veränderungen in seinem Leben meistern. Seine Freundin Claire (Caitlin Stasay) macht mit ihm Schluss, weil sie der festen Überzeugung ist, dass Josh homosexuell ist. Außerdem ist seine Mutter Rose (Debra Lawrance) depressiv und Josh zieht nach einem Selbstmordversuch seiner Mutter wieder in sein Elternhaus, um sich um sie zu kümmern und für sie da zu sein. Auch die Beziehung zu seinem Vater Alan (David Roberts) ist nicht ganz einfach. Dies alles klingt sehr turbulent und das ist genau das, was es ist.

Please Like Me ist eine Serie, die authentisch ist. Es geht um Erlebnisse, die Jugendlichen wirklich passieren und Situationen, die junge Menschen tatsächlich durchleben und das schätze ich sehr an dieser Serie. Das Besondere an dieser Serie ist, dass diese oft wirklich düsteren und dramatischen Erlebnisse humorvoll dargestellt werden. Das wirkt absolut nicht schräg oder deplatziert, sondern eröffnet vielmehr einen ganz neuen Blickwinkel auf Dinge und lässt mich als Zuschauer sogar manchmal nachdenklich zurück – auf eine gute Art.

Jeder der Charaktere ist auf seine Weise besonders und ich mochte sie wirklich alle sehr. Mein persönliches Highlight in dieser Serie war aber Hannah Gadsby. Sie spielt Hannah in der Serie und ist für einen gewissen Zeitraum die Mitbewohnerin von Rose, Joshs Mutter. Ich kannte Hannah Gadsby vor dieser Serie nicht, habe aber ein wenig in den Untiefen des Internets gestöbert und bin auf ihr Bühnenprogramm Nanette, ein Netflix Special, aufmerksam geworden, das ich wirklich jedem ans Herz legen kann. Sehr sehenswert!

Atypical

Auch die dritte Serie, die ich euch vorstellen möchte, ist eine coming-of-age-Geschichte, die diesmal in Californien spielt. Die US-amerikanische Serie Atypical erzählt von Sam Gardener (Keir Gilchrist), einem 18-jährigen Autisten, der versucht ein unabhängiges Leben zu führen und vor allem die große Liebe finden möchte.

Natürlich hat sein Verhalten auch unmittelbare Auswirkungen auf sein Umfeld. Sowohl Lehrer und Mitschüler als auch seine Familie haben mit den täglichen Herausforderungen zu kämpfen. Genau hierin liegt aber auch gleichzeitig die Komik der Serie: Weil Sam stehts ehrlich, rational und frei von jeder Emotion handelt, ergeben sich daraus viele ungeahnt lustige Situationen.

Neben Sams Plänen, eine Freundin zu finden und ein unabhängiges Leben zu führen, thematisiert Atypical auch die Lebensgeschichten der anderen Familienmitglieder und erhält dadurch eine schöne Dynamik. Besonders gut gefallen hat mir Sams Schwester Casey (Brigette Lundy-Paine), die in der Serie ebenfalls ihren Platz in Leben. Aber natürlich habe ich auch in jeder Episode mit Sam mitgefiebert und auch mitgelitten. Immer dann, wenn es ihm zu laut wird und er seinen Kopfhörer aufsetzt und Pinguinrassen aufzählt, fühle ich mit ihm und würde ihm am liebsten helfen.


Wie ihr sehen könnt, hatten Netflix und ich einen unwahrscheinlich guten Start. Meine Watchlist ist prall gefüllt mit vielversprechenden Serien und auch Filmen, die ich mir in nächster Zeit ansehen möchte. Parallel zu diesem Beitrag ist auch wieder ein Gastbeitrag von meinem Freund online gegangen. In diesem setzt er sich mit dem Film Night on Earth von Jim Jarmusch auseinander. Schaut gerne vorbei und lasst Feedback da!